Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
117
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Betrachtungen über das weinerlich Komische. 117

sten, waS das Trauerspiel darbieten kann, zu verbinden. Es tadlediese Vermischung wer da will; ich, für mein Theil, bin sehr wohldamit zufrieden. Die Veränderungen sogar in den Ergöynngen lie-ben, ist der Geschmack der Natur - - - Man geht von einem Ver-gnügen zu dem andern über; bald lacht man, und bald weinet man.Diese Gattung von Schauspielen, wenn man will, ist neu; allein siehat den Beyfall der Vernunft und der Natur, das Ansehen des schö-nen Geschlechts und die Zufriedenheit des PublicumS für sich.

Von dieser Art sind die gefahrlichen Maximen, gegen die ich michzu setzen wage; denn man merke wohl, daß ich von einer aufrichti-gen Bewunderung des Genies der Verfasser durchdrungen bin, undniemals etwas anders als den Geschmack ihrer Werke, oder vielmehrdas weinerlich Römische überhaupt genommen, angreiffe. Ichhabe mir beständig die Freyheit vorbehalte», den liebenswürdigen Dich-tern tausend Lobsprüche zu ertheilen, die uns durch sehr wirklicheSchönheiten der Ausführung, durch die Entdeckung vcrschicdner wah-ren und sich ausnehmenden Schilderungen und Charaktere, durch dieblendende Neuigkeit ihrer Farbenmischung, oft dasjenige zu verbergenwußten, was an dem Wesentlichen ihrer Fabel etwa nichtig oder feh-lerhaft seyn konnte. Das Genie des Verfassers strahlet allezeit durch,und kann ihm, ohngeachtet der Fehler seines Werks, ein gerechtes Loberwerben: allein die Fehler seines Werks strahlen gleichfalls durch,und können, Troz den Bezaubrungen, die das Genie des Werkmeistersangebracht hat, mit Grund getadelt werden.

Nachdem ich also den hochachtungswürdigen Gaben der Künstlerin dieser neuen Gattung, Gerechtigkeit wiederfahren lassen, so laßtuns ohne Furcht den Geschmack ihrer Stücke untersuchen, und gleichAnfangs sehen, ob ihnen das Alterthum Beyspiele darbiethe, die sieuns zur Rechtfertigung ihrer Wahl entgegensetzen können.

Aus dem leichten Entwnrfe, den wir eben jetzt betrachtet haben,ist es klar und deutlich, daß ihnen das griechische Theater keine Idee,die mit dem weinerlich Komischen analogisch wäre, geben konnte.Die Stücke des AristophaneS sind eigentlich fast nichts, als satyrischcGespräche; und aus den Fragmenten des Meuanders erhellet, daß auchdieser Dichter bloß die Farben des Lächerlichen, oder derjenigen allge-meinen Critik gebraucht habe, welche mehr den Witz erfreuet, als dasGemüthe angreift.