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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

eine edlere Wendung hat, und diese ist es, der man wohl will, und zuderen Vertheidigung mau bis zu den ersten Grundsätzen zurück geht.

derjenige, sagt man, der das Schauspiel einer Komödie zuerstaufführte, konnte nach keinem Muster arbeiten; er machte sich einenPlan nach seiner Einsicht, und das neue Werk bekam folglich seineNatur und seine Eigenschaften aus dem Innersten seiner Begriffe.Die, welche nachfolgten, glaubten eben so wohl ein Recht zum.Erfin-den zu haben; unter ihren Händen bekam die Komödie eine neueForm, welche gleichfalls der Veränderung unterworfen war. TiefeVeränderungen wurden nicht als Neucrnngcn auSgcschrien; man hattees sich noch nicht in Sinn kommen lassen, daß es nicht erlaubt sey,Aenderungen zu machen, und die Hirngeburth eines Verfassers anderszu bearbeiten, deren Natur ziemlich willkührlich seyn muß. Dennkurz, setzt man hinzu, das Wesen der Komödie, eS mag nun bestehenwvrinne es will, kann doch nimmcrmchr so unwandelbar festgesetzt seyn,als es das Wesen der geometrischen Wahrheiten ist; und hierausschließt man endlich, daß cS unsern Neuern erlaubt seyn müsse, diealte Einrichtung des komischen Gedichts zu ändern. DaS Beyspiel ihrerVorgänger muntert sie dazu auf, und die Natur der Sache erlaubt es.

So übertäubend als dieser Einwnrf zu seyn scheinet, so brauchtes, ihn übern Haufen zn stosscn, doch weiter nichts, als daß mandie Grundsätze desselben zugicbt, und die daraus gemachte Folgerungleugnet. ES ist wahr, daß alle Gcburthcn des Genies, so zu reden,ihr Tappen haben, bis sie zu ihrer Vollkommenheit gelangt sind; allein,es ist auch eben so gewiß, daß verschiedne von denselben, sie schon er-reicht haben, als das epische Gedichte, die Ode, die Beredsamkeit unddie Historie. Homer, Pindarus, Demosthcnes und ThucydideS sind dieLehrmeister des VirgilS, des Horaz , des Cicero und des Livins gewe-sen. Das vereinigte Ansehen dieser grossen Männer ist zum Gesetzegeworden; und dieses Gesetz haben hernach alle Nationen angenom-men, und die Vollkommenheit einzig und allein an die genaue Nach-ahmung dieser alten Muster gebunden. Wenn es also nun wahr ist,daß das Wesen dieser verschiedncn Werke so unveränderlich festgestelletist, als cS nur immer durch die aller vcrehrungSwürdigstcn Beyspielefestgestellet werden kann; aus was für einer besondern Ursache solltecS denn nur vergönnet seyn, daS Wesen der Komödie zu ändern, wel-ches durch die allgemeine Billigung nicht minder gchciligct ist.