Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
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130 Theatralische Bibliothek.

chelt, triumphircn auch jctzo die Anhänger der neuen Gattung; sie su-chen sich zu überreden, der Weg der Empfindung sey gleichfalls einevon den glücklichen Entdeckungen, welche der französischen Scene denhöchsten Grad der Ausschmückung gegeben habe; sie wollen durchausnicht einsehen, daß die Empfindung, welche gewissen Gedichten, zumExempel der Elegie und dem Hirtengedichte, so wesentlich ist, sich ganzund gar nicht mit der komischen Grundlage verbinden lasse, welche dasTheater nothwendig braucht, wenn sie ihren Originalen denjenigenTon geben will, der im Ergötzen bessert. Man betriege sich hier nurnicht: wir haben zwey sehr nnterschiedue Gattungen; die eine ist dienützliche, und die andre die angenehme: weit gefehlt also, daß dasweinerlich Komische eine dritte ausmache; sie schmelzt vielmehr beydeGattungen in eine einzige, und machet uns ärmer, indem sie uns rei>eher zu machen scheinet.

Wann die wirklich komischen Fabeln gänzlich erschöpft wäre», sokönnte man die Erfindung der weinerlichen Charaktere noch eher verge-ben, weil sie wenigstens, als eine Vermischung des Wahren und Fal-schen, daS Verdienst haben, uns auf einen Augenblick zu rühren, wennsie uns auch schon durch die Ucberlegung vcrdrüßlich werden: allein esist derselben noch eine sehr große Menge übrig, welche alle neu sind,und die man, schon seit langer Zeit, auf der Bühne geschildert zu se-hen gewünscht hat. Wir haben vielleicht nicht ein einziges getreuesGemählde vou verschieducu Sitten uud Lächerlichkeiten unsrer Zeit; zumExempel, von der gebiethrischen Leutseligkeit unsrer Hofleute, und vonihrem unersättlichen Durste nach Vergnügen und Gunst; von der un-besonnenen Eitelkeit und wichtigen Aufgeblasenheit unserer jungen Ma-gisiratSpersoncn; vou dem wirklichen Geitze und der hochmüthigen Ver-schwendung uusrcr großen Rentmeister; von jener feinen und manch-mal ansgclaßeuen Eifersucht, welche unter den Hofdamen, wegen derVorzüge des Ranges, und noch mehr wegen der Vorzüge der Schön-heit, herrschet; von jenen reichen Bürgerinnen, welche das Glück trun-ken macht, und die durch ihre unverschämte Pracht den Gesetzen, demWohlstande und der Vernunft Hohn sprechen.

Auf diese Art würden sich tausend nützliche und glänzende Neuig-keiten dem Pinsel unsrer Dichter darbiethen, wenn sie nicht von derLiebe zu dem Besondern verführt würden. Sollten sie wohl von derSchwierigkeit, solche feine Charaktere zu schatliren, welch enur eine