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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

bcn lind tölpischen Bauer vorstellen sieht. Ich weis wohl, daßwir nicht in die Komödie gehen, die Gegenstände selbst, son-dcrn blos ihre Nachahmung zu sehen - - Gleichwohl aber mußman doch unter den Gattungen der komischen Rollen einenUnterschied machen. Einige ergötzen uns durch die blosse Nach-ahmung gewisser lächerlichen Fehler. Andre aber ergötzen unsdurch die Absteckung, die sich entweder zwischen dem Vorgebender Person und den Beweisen, auf welche sie dasselbe gründet,oder zwischen dem Eindrucke befindet, den sie bey denjenigenPersonen, die mit ihr spielen, machen sollte, und zwischen demEindrucke, welchen sie wirklich bey ihnen macht. Zc mehr einSchauspieler, in den Rollen von der ersten Art, die Vollkom-menheiten hat, die den Fehlern, welche er nachahmt, entgegengesetzt sind; desto mehr wissen wir es ihm Dank, wenn er unsgleichwohl eine vollkommene Abschildcrung von diesen Fehlernmacht. Zc weniger aber, in den Rollen von der zweytenArt, ein Schauspieler die Vollkommenheiten hat, welche die Pcr -son, die er vorstellt, haben will, oder welche ihm die andernausschweifenden Personen des Stücks beylegen, desto lächcrli-chcr macht er die närrische Einbildung des einen und das ab-geschmackte Urtheil dcr andern, und desto komischer folglich wirdseine ganze Action. Die Rolle eines Menschen, der nach derMeinung des Verfassers, mit aller Gewalt den Titel einesSchönen haben will, wird weit weniger belacht werden, wennsie von einem Komödianten gespielt wird, dcr sich dieses Titelsin der That anmaaßcn könnte, als wenn sie einer vorstellt,der dcr Natur in diesem Stücke weniger zu danken hat. DcrIrrthum cincs albcrncn Tropps, wclchcr cinen Bedienten füreinen Menschen von Stande ansieht, wird uns weniger crgö-tzcn, wcnn das gute Ansehen des Bcdicntcn den Irrthum ent-schuldigen kann, als wcnn cr ganz und gar nichts an sich hat,das ihn rechtfertigen könnte. Wcit gcfchlt also, daß cs gutseyn sollte, wcnn alle Schauspieler von reizender und ausnch- mcndcr Gestalt wären; cs ist vielmehr unserm Vergnügen zu-träglicher, wcnn sie nicht alle nach cincm Muster gebildet sind.Unterdessen aber muß man diese Marimc nicht allzuweit aus-dchncn. Wir erlauben ihnen zwar, gewisse Vollkommenheiten