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4 (1838)
Entstehung
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Auszug aus dem Schauspieler.

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nicht zu haben; aber die gegenseitigen Fehler zu besitzen, ver-statten wir ihnen durchaus nicht. Sie müssen so gar völligvon gewissen Mängeln frey seyn, die uns bey andern Perso-nen, die sich dem Schauspiele nicht widmen, wenig oder garnicht anstoßig seyn würden. Dergleichen sind, zu lange oderkurze Arme, ein zu großer Mund, übclgcstaltcnc Füße zc. - -Zu diesen vier Hauptstückcn fügt der Verfasser noch zwey An-merkungen, die mit dem Inhalte des ersten Buchs genau ver-bunden sind. Die erste ist diese: Die Schauspieler rönnen inden Nebenrollen, des wiczcs, des Feuers und der Empfin-dung eben so wenig cnrübrigt sc/n, als in den-Hauptrollen.Die Ursache ist, weil in guten Stücken auch die Nebenrollen,nicht etwa zum Ausflicken da sind, sondern einen Einfluß indas Ganze haben, und sich oft eben so thätig erweisen, als dieallcrvornchmstcn Personen. Die Vertrauten, zum Exempel, inden Trauerspielen, haben oft so vorlrcslichc Stellen, besondersin den Erzchlungcn, die ihnen meisten Theils aufgetragen wer-den, zu sagen, daß sie ohne Witz, ohne Feuer und ohne Em-pfindung gewiß alles verderben würden. Die zweite Anmer-kung ist diese: lVenn man auch schon die vornehmsten Voll-kommenheiten hat, die zu einem Schauspieler erfordert wer-den, so muß man doch in einem gewissen Alrer zu spielenaufhören. Denn in den Schauspielen beleidiget uns unumgäng-lich alles dasjenige, was uns Gelegenheit giebt, die Schwach-heiten der menschlichen Natur zu überlegen, und aus uns selbstvcrdrußlichc Blicke zurück zu werfen. Es werden hier bloß die-jenigen Rollen ausgenommen, deren Lächerliches durch das wahreAlter des Schauspielers vermehrt wird, zum Exempel, die Rol-len der Alten, die mit aller Gewalt noch jung seyn wollen;auch muß man gegen Actcurs von ausscrordcntlichcn Gaben ei-nige Nachsicht haben; nur werden diese alsdann so billig seyn,wenn es in ihrer Gewalt stehet, keine andre als solche Rollenzu wählen, welche mit ihrem Alter nicht allzusehr abstechen.Frankreich hat es selbst seinem Varon nicht vergeben, daß ernoch m seinen letzten Jahren so gern junge Prinzen vorstellte.Es konnte es durchaus nicht gewohnt werden, ihn von Schau-