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218 Theatralische Bibliothek.
„künftiger Verbesserung der Erdichtungen dieser Art bekannt„machen wollen. Der unbekannte Reisende ist in allen Stücken„so vollkommen gut, so cdelmüthig, so besorgt, ob er auch ct-„wann seinem Nächsten Unrecht thun und ihn durch ungcgrün-„ beten Verdacht beleidigen möchte, gebildet, daß es zwar nicht„unmöglich, aber doch allzu unwahrscheinlich ist, daß unter ci-„ncm Volke von den Grundsätzen, Lebensart und Erziehung,„das wirklich die üble Begegnung der Christen auch zu sehr mit„Feindschaft, oder wenigstens mit Kaltsinnigkeit gegen die Chri-„sten erfüllen muß, ein solches edles Gemüth sich gleichsam selbst„bilden könne. Disc Unwahrschcinlichkcit stört unser Vergnügen„desto mehr, jemchr wir dem cdeln und schönen Bilde Wahr-heit und Daseyn wünschctcn. Aber auch die mittelmäßige„Tugend und Redlichkeit findet sich unter diesem Volke so sel-„ten, daß die wenigen Beyspiele davon den Haß gegen dasselbe„nicht so sehr mindern, als man wünschen möchte. Bey den„Grundsätzen der Sittcnlchrc, welche zum wenigsten der größte„Theil derselben angenommen hat, ist auch eine allgemeine Red-lichkeit kaum möglich, sonderlich da fast das ganze Volk von„der Handlung leben muß, die mehr Gelegenheit und Verfü-gung zum Betrüge giebt, als andre Lebensarten."
Man sieht leicht, daß es bey diesen Erinnerungen auf zweyPuncte ankömmt. Erstlich darauf, ob ein rechtschaffner und ed-ler Zudc an und vor sich selbst etwas unwahrscheinliches sey;zwcytcns ob die Annchmung eines solchen Juden in meinemLustspiele unwahrscheinlich sey. Es ist offenbar, daß der einePunct den andern hier nicht nach sich zieht; und es ist eben sooffenbar, daß ich mich eigentlich nur des letztem wegen in Si-cherheit setzen dürfte, wenn ich die Menschenliebe nicht meinerEhre vorzöge, und nicht lieber eben bey diesem, als bey demerstem verlieren wollte. Gleichwohl aber muß ich mich überden letztem zuerst erklären.
Habe ich in meinem Lustspiele einen rcchtschafnen und cdelnJuden wider die Wahrscheinlichkeit angenommen? — — Nochmuß ich dieses nur bloß »ach den eignen Begriffen meinesGegners untersuchen. Er giebt zur Ursache der Unwahrschcin-lichkeit eines solchen Juden die Verachtung und Unterdrückung,