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Theatralische Bibliothek.
unwillig, und giebt ihr auf eine höhnische Art zu verstehen, daßcr König sey, und sie gehorchen müsse. „Lerne, sagt er, von„deinem Gemahl, wie unterwürfig man Königen seyn müsse."Er zielet hicmit auf die Befehle des Eurysthcus, die sich Her-kules zu vollziehen bequemte. „Doch, spricht cr weiter, ob ich„schon die Gewalt in meinen Händen habe, so will ich mich„doch so weit herablassen, meine Sache gegen dich zu rechtferti-gen. Er bemüht sich hierauf den Tod ihres Natcrs und ih-rer Brüder von sich abzuwetzen. „Sie sind im Streite umge-kommen. Die Waffen wissen von keiner Mäßigung; und die„Wuth des gezückten Schwcrdcs kennet kein Schonen. Es ist„wahr, dein Vater stritt für sein Reich, und mich trieben sträf-liche Begierden. Doch jetzt kömmt es nicht auf die Ursache,„sondern auf den Ausgang des Krieges an. Laß uns daher„an das geschehene nicht länger denken. Wenn der Sieger die„Waffen ablegt, so geziemet es sich, daß auch der Bcsicgctc den„Haß ablege. Ich verlange nicht, daß du mich mit gebogenem„Knie verehren sollst. Es gefällt mir vielmehr, daß du deinen„Unfall mit starken Muthe zu tragen weißt. Und da du die„Gemahlin eines Königs zu scvn verdienest, so sey es denn an„meiner Seite." Megara gcrath über diesen Antrag ausser sich.„Ich deine Gemahlin? Nun empfinde ich es erst, daß ich eine
„Gefangene bin--Nein, Alcidcs, keine Gewalt soll meine
„Treue überwinden; als die Deinige will ich sterben.
-L.ycus, Wie? ein Gemahl, der in der Tiefe der Hölle ver-graben ist, macht dich so kühn?
Mcgara. Er stieg in die Hölle herab, um den Himmelzu ersteigen.
L.>'cus. Die ganze unendliche Last der Erde liegt nun auf ihm.
Megara. Kann eine Last für den zu schwer seyn, der denHimmel getragen hat?
Ä.ycus. Aber du wirst gezwungen werden.
Megara. Wer gezwungen werden kann, weis nicht zusterben.
Ä^cus, Kann ich dir ein königlicher Geschenk anbieten, alsmeine Hand?
Megara. Za; dcincn oder mcincn Tod.