Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

232

Theatralische Bibliothek.

unwillig, und giebt ihr auf eine höhnische Art zu verstehen, daßcr König sey, und sie gehorchen müsse.Lerne, sagt er, vondeinem Gemahl, wie unterwürfig man Königen seyn müsse."Er zielet hicmit auf die Befehle des Eurysthcus, die sich Her-kules zu vollziehen bequemte.Doch, spricht cr weiter, ob ichschon die Gewalt in meinen Händen habe, so will ich michdoch so weit herablassen, meine Sache gegen dich zu rechtferti-gen. Er bemüht sich hierauf den Tod ihres Natcrs und ih-rer Brüder von sich abzuwetzen.Sie sind im Streite umge-kommen. Die Waffen wissen von keiner Mäßigung; und dieWuth des gezückten Schwcrdcs kennet kein Schonen. Es istwahr, dein Vater stritt für sein Reich, und mich trieben sträf-liche Begierden. Doch jetzt kömmt es nicht auf die Ursache,sondern auf den Ausgang des Krieges an. Laß uns daheran das geschehene nicht länger denken. Wenn der Sieger dieWaffen ablegt, so geziemet es sich, daß auch der Bcsicgctc denHaß ablege. Ich verlange nicht, daß du mich mit gebogenemKnie verehren sollst. Es gefällt mir vielmehr, daß du deinenUnfall mit starken Muthe zu tragen weißt. Und da du dieGemahlin eines Königs zu scvn verdienest, so sey es denn anmeiner Seite." Megara gcrath über diesen Antrag ausser sich.Ich deine Gemahlin? Nun empfinde ich es erst, daß ich eine

Gefangene bin--Nein, Alcidcs, keine Gewalt soll meine

Treue überwinden; als die Deinige will ich sterben.

-L.ycus, Wie? ein Gemahl, der in der Tiefe der Hölle ver-graben ist, macht dich so kühn?

Mcgara. Er stieg in die Hölle herab, um den Himmelzu ersteigen.

L.>'cus. Die ganze unendliche Last der Erde liegt nun auf ihm.

Megara. Kann eine Last für den zu schwer seyn, der denHimmel getragen hat?

Ä.ycus. Aber du wirst gezwungen werden.

Megara. Wer gezwungen werden kann, weis nicht zusterben.

Ä^cus, Kann ich dir ein königlicher Geschenk anbieten, alsmeine Hand?

Megara. Za; dcincn oder mcincn Tod.