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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek,

hierauf den Theseus ihn in dieser Noch nicht zu verlassen, ei-nen Ort, wo er verborgen seyn könnte, für ihn auszusuchen,oder, wo möglich, ihn in das untcrirrdische Reich wieder zurückzu bringen.Da, da will ich mich verborgen halten. Dochauch da bin ich bekannt. Theseus schlägt ihm sein ei-gen Land, Athen , zum Zufluchtsorte vor, und zwar deswegen,weil es das Land sey, wo Mars selbst wegen Ermordung seinesSohnes, losgesprochen worden.Dieses Land, welches die Un-schuld der Götter richtet; dieses Land, Alcidcs, rufet dich.

Und so schließt der rasende -Herkules. Ohne Zweifel erwar-tet man nun eine kurze

Beurtheilung desselben.

Ucbcrhaupt werde ich mich hoffentlich auf die Empfindungder Leser zum Vortheile meines Dichters berufen können. StarkeSchilderungen von Leidenschaften können unsre Leidenschaftenunmöglich ganz ruhig lassen. Und diese wollen wir vornehmlichin den Trauerspielen erregt wissen. Hat man den Zorn derIuno, die Drohungen des K.ycus, den edlen Stolz der N?e-gara, den kühnen Ucbcrmuth des 'Herkules, das Unglück einerblinden Raserey, die Verzweiflung eines Reuenden, die Bitteneines Vaters gefühlt, so kann der Dichter gewiß seyn, daß manihm seine Fehler willig vergeben wird. Und was sind es dennendlich auch für Fehler? Er ist mit den poetischen Farben all-zuvcrschwcndcrisch gewesen; er ist oft in seiner Zeichnung zukühn; er treibt die Grösse hier und da bis zur Schwulst; unddie Natur scheinet bey ihm allzuviel von der Kunst zu haben.Lauter Fehler, in die ein schlechtes Genie niemals fallen wird!Und wie klein werden sie, wenn man sie nach dem Stoffe desTrauerspiels beurtheilet, welcher, wie man gesehen hat, gänzlichaus der Fabel entlehnt ist. Die Thaten des Herkules sind füruns unsinnige Erdichtungen, und bey den Heiden waren sieGlaubensartikel. Sie überfiel ein heiliger Schauer, wenn siehörten, daß er Gebirge zerrissen, daß er die Hölle gestürmt,daß er den Himmel getragen: und wir wollen uns kaum desLachens dabey enthalten können. Allein, ist es billig einenDichter anders, als nach den Umständen seiner Zeit zu beurthei-len? Ist es billig, daß wir das, was seine Zcitvcrwaiidtcn in