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Theatralische Bibliothek.
mich hier in keine,, wcitläuftigcn Auszug des griechischen Stückseinlassen, so viel aber muß ich anmerken, daß Euripidcs dieHandlung offenbar verdoppelt hat. Bey ihm cröfnct Amphi-rryo das Stück, welcher die Zuhörer von den nöthigsten histo-rischen Umständen unterrichtet. XNegara kömmt dazu, undbeyde beklagen ihr Unglück. K.^cus cröfnct ihnen ihr Todcsur-thcil, mit dcn bittersten Verspottungen des -Herkules. Mcgaraund Amphitryo ergeben sich in ihr Schicksal, und bitten nurnoch um eine kurze Frist, unter dem Verwände, dcn Kindernihre Todtcnklcidcr anzulegen. Als dieses geschehen, und sie vordem Altar auf die Hinrichtung warten, erscheinet -Herkules,welcher unerkannt in die Stadt gekommen war. Er erfährtdas Unglück, welches seinen, Hause drohe, und ermordet denÄ.yeus. Was erwartet man nunmehr „och weiter? Nichts,ohne Zweifel. Doch ehe man sichs versieht erscheinen mitten indem dritten Auszüge Zris und eine Furie. Die Furie soll dem-Herkules auf Befehl der Iuno dcn Verstand verrücken; dieFurie weigert sich, doch endlich muß sie wider ihren Wille»gehorchen. Hierauf werden im vierten Auszüge die Wirkungender Raserey des Herkules nur erzchlt, und in dem fünstcnkömmt Theseus dazu, welcher seinen Freund, der sich aus Ver-zweiflung durchaus das Leben nehmen will, wieder zurechtebringt. — — Nun sehe man, wie geschickt der römische Dich-ter durch eine kleine Veränderung ein zusammenhangendes Stückdaraus gemacht hat, in welchem die Ncubcgicrdc keinen solchengefährlichen Ruhcpunkt findet, sondern bis ans Ende in einemFeuer erhalten wird. Er fängt nehmlich mit dem grausamenEntschlüsse der ?uno an, und bereitet dadurch alles vor, waser in der Folge dcn Zuschauern zeigen will. Es ist wahr, daßer dcn Ausgang dadurch ein wenig zu sehr verräth; doch ver-räth ihn iLuripiöes in dem dritten Auszüge nicht gleichfalls?— — Einen andern Kunstgrif des lateinischen Dichters habeich bereits angemerkt; die Art nehmlich, wie er die Grausam-keiten des -Herkules zugleich zeigt, und auch nicht zeigt. Euri-pioes läßt sie bloß crzehlcn, und unterrichtet den Zuschauernicht einmal so lebhaft davon, als er ihn von dem Tode desÄ.ycus unterrichtet, dessen Geschrey, da er ausser der Buhne