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Theatralische Bibliothek.
will cr es wagen, nochmals schwazhaft zu seyn, und seine En-kel vor allen Verbrechen vielmehr zu warnen. Doch die Furiedroht und vermehrt in dem Schatten das innere Gefühl seinerQuaalcn so heftig, daß cr ihr in den Pallast folgen muß, wo
cr überall Raserey und Blutdurst verbreitet.--Man muß
sich einbilden, daß dieses sogleich geschieht, sobald cr über dieSchwelle getreten. Der Pallast empfindet cs, daß cr von ei-»cin unseligen Geiste berührt wird, und zittert. Die Furieruft ihm zu, daß cs genug sey, und befiehlt ihm, in die unter-irdischen Höhlen zu seinen Martern zurückzukehren, weil die Erdeihn nicht länger tragen wolle, und die ganze Natur sich überseine Gegenwart entsetze. Sie beschreibt dieses Entsetzen in einDutzend schönen Versen, die sie hier hätte ersparen können, undmacht dem Lhore Platz. Der Inhalt seines Gesanges ist eineBitte an die Götter, alle Verbrechen von dem königlichenHause abzuhalten, und nicht zuzugcbcn, daß auf einen bösenGroßvater ein schlimmrcr Enkel folge. Er sagt, cs scy bereitsgenug gcsündigct worden; und führt dieses zu beweisen, dieGeschichte des XNyrrilus und die blutige Mahlzeit an, welcheTanralus den Göttern vorgesetzt. Von der Strafe des letztemmacht cr ein sehr künstliches Gemählde, welches aber den Leserkalt läßt, und beschließt cs so abgcbrochc», daß einige Kunst-richtcr zu glauben bewogen worden, cs müsse das eigentlicheEnde hier fehlen.
Zweiter Auszug.Auch dieser Aufzug besteht nur aus einer einzigen Scene,zwischen dem Arrcns und einem Vertrauten. Atrcus ist gleichAnfangs gegen sich selbst unwillig, daß cr noch bis jczt, wegenden schimpflichen Beleidigungen seines Bruders, ungcrochcn scy.Er tadclt sich, daß cr nicht schon längst alles in Blut undFlammen gesetzt. Wie gern hätte cr sich wollcn untcr dem ein-stürzenden Pallastc bcgrabcn lassen, wenn cr nur zugleich auchden Bruder zerschmettert hätte. „Auf Alreus, beginne etwas,„was keine Nachwelt billige, aber auch keine verschweige. Auf!„erkühne dich einer blutigen gräßlichen Schandthat; einer Schand-that, auf die mein Bruder neidisch werde; die cr sclbst begangen zu„haben wünschcn möchtc. Du kannst seine Verbrechen nicht rächen,