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Theatralische Bibliothek.
habe», die dcinigcn umfassen. Laß lins alle» Zorn bey Seitelegen; laß uns allen Unwillen aus den Gemüthern verbannen.Empfange diese Unschuldigen als die Unterpfänder meiner Treue.
Atreus . Verlaß diese erniedrigende Stellung, und umarmemich, mein Bruder. Und auch ihr, ihr Stützen unsers Alters,cdcln Jünglinge laßt euch an meine Brust drücken. Lege dasschmutzige Kleid ab; verschone meine Augen mit einem solchenAnblicke: laß dir einen Schmuck reichen, der dem meinen gleichist; und tritt freudig in den Besitz deines Antheils an dem brü-derlichen Reiche. Ich will mich des grösser» Lobes erfreuen, meinenBruder unverletzt der väterlichen Würde wieder hergestellt zu ha-ben. Ein Reich besitzen, ist Zufall; ein Reich schenken, ist Tugend.
Thyest. Möchten dir doch, Bruder, diese deine Wohltha-ten die Götter würdig vergelten. Meine Armseligkeit schlägtes aus, die königliche Binde anzunehmen, und die unglücklicheHand scheuet sich vor dem Scepter. Erlaube mir, daß ich mit-ten unter dem Volke verborgen leben darf.
Atreus . Unser Reich leidet zwey Regenten.
Thyeff. Was du hast, soll mir so gut seyn, als ob iches selbst hätte.
Atreus . Wer wollte die frcywillig zuflicsscndcn Güter desGlücks verschmähen?
Thyest. Der, welcher es erfahren hat, wie schnell siewieder dahin sind.
Atreus . So willst du deinen Bruder die unschätzbarsteEhre nicht erlangen lassen?
Thyest. Deine Ehre hat bereits die erhabenste Staffel er-reicht, und nun ist es nur noch um meine zu thun. Za, ichhabe es fest beschlossen, das Reich auszuschlagcn.
Atreus . Wenn du deinen Antheil nicht wieder nimmst, sowill ich meinen verlassen.
Thyest. Wohl ich nehme ihn. Ich will den Namen dermir aufgelegten Herrschaft führen; dir aber allein sollen Gesetzeund Waffen mit mir dienen.
Alrcue. So laß dir denn um die ehrwürdige Stirne dasDiadem binden. Ich will gehen, und den Göttern die ver-sprochenen Opfer bringen.