272
Theatralische Bibliothek.
Person, welches in den alten Trauerspielen nichts ungewöhnli-ches ist. Gemeiniglich führte alsdann der Coryphöus das Wort,der entweder mit dem ganzen Chöre, oder nur mit einem Theiledesselben zurück blieb, nachdem es die Umstände erforderten.Wir werden unten sehen, warum man annehmen müße, daßcr hier nur mit einem Theile zurück geblieben sey. Seine Redensind sehr kurz, und geben blos dem LLrzehlcr Gelegenheit, soumständlich, als es nöthig ist, zu seyn. Dieser nun tritt vollerSchrecken und Entsetzen hervor, und wünscht von einem Wirbel-winde durch die Lüfte gerissen und in eine finstre Wolke gchül-lct zu werden, damit cr dem Anblicke eines so gräßlichen Verbre-chens entkommen möge. „O Haus, dessen sich selbst Pclops„und Tantalus schämen müssen.
Der Chor. Was bringst du neues?
Der Erzehlcr. Wo bin ich? Ist dieses das Land, in wel-chem Argos, Corinth und das durch die frommen Brüder be-rühmte Spart« liegt? Oder bin ich an dem Zstcr unter denwilden Alanen? Oder bin ich unter dem ewigen Schnee desrauen Hircaniens? Oder unter den schweifenden Scythen?Was ist es für eine Gegend, die zur Mitschuldigen so abscheu-licher Verbrechen gemacht wird?
Der Chor. Welcher Verbrechen? Entdecke doch — —
Der Erzehlcr. Noch staunet meine ganze Seele, noch istder vor Furcht starrende Körper seiner Glieder nicht mächtig.Noch schwebt das Bild der gräßlichen That vor meinen Augen :c.
Der Chor. Du marterst uns durch die Ungewißheit nochmehr. Sage, wovor du dich entsetzest, und nenne den Urheber.Einer von den Brüdern muß es seyn, aber welcher? Rededoch — — Nunmehr wäre es ohne Zweifel billig, daß derGrzehler sogleich zur Sache käme, und diese geschwind in we-nig kurzen und affcctvollcn Worten entdeckte, ehe cr sich mitBeschreibung kleiner Umstände, die vielleicht ganz und gar un-nöthig sind, beschäftige. Allein was glaubt man wohl, daß ervorher thut? Er beschreibet in mehr als vierzig Zeilen vor al-len Dingen den heiligen Hayn, hinter der mitternächtlichenSeite des Pclopcischcn Pallasts, in welchem Atreus die blutigenOpfer gcschlacht hatte, ohne dieser mit einer Sylbe zu gedenken.