Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek,

Er wird mit Vergnügen gewahr, daß Thyest schon fast trun-ken sey, und Host daher, daß ihm seine List mit dem Blutewelches er unter alten Wein von einer starken Farbe mischenwolle, desto eher gelingen werde.Ein solches Mahlmuß mit einem solchen Trunke beschlossen werden. Er, derlieber mein Blut getrunken hätte, soll das Blut der Seinentrinken. Hört, schon stimmt er festliche Gesänge an, und istseines Verstandes kaum mehr mächtig.

Hier nun kömmt Thyest langsam hervor, und sein Gesangist eine Ermunterung seiner selbst, alle traurige Vorstellungenfahren zu lassen.Heitere deine Blicke zur gegenwärtigen Freudeauf, und verjage den alten Thuest aus deinem Gemüthe!Aber so sind die Elenden! Sie trauen dem Glücke nie, wennes sie gleich wieder anlacht, und freuen sich mit Widerwillen.Welcher ohne Ursache erregter Schmerz verbeuth mir diesen fest-lichen Tag zu fcyern, und befiehlt mir, zu weinen? Was istes, das mir mein Haupt mit frischen Blumen zu kränzen nichterlauben will? Es will nicht; es will nicht! UnerwarteteThränen rollen die Wangen herab, und mitten unter meineWorte mischen sich Seufzer--Ach, der sein Unglück ahn-dende Geist verkündiget mit diesen Zeichen ein nahes Leiden! Doch mit was für traurigen Erwartungen quälst dudich, Unsinniger? Ucbcrlaß dich deinem Bruder voll leichtgläu-biger Liebe! Es sey nun was es sey, so fürchtest du dich ent-weder ohne Grund, oder zu spät. Gern wollt ich Unglücklichermich nicht fürchten, aber mein Innerstes bebet vor Schrecken.Schnell strömet aus den Augen eine Fluth von Zehren, undströmet ohne Ursache. Ist es Schmerz, oder ist es Furcht?Oder hat auch eine heftige Freude ihre Thränen?

Nunmehr redet ihn Atreus an:Laß uns, Bruder, unsereFreude verbinden, diesen glücklichen Tag würdig zu begehen.Heute wird mein Thron befestiget; heute wird ein Friede ge-giftet, wie er unserer brüderlichen Treue geziemet.

Thuest. Die reiche Tafel hat mich gcnung gcsättigct; ichglühe vom Weine. Aber wie unendlich könnte meine Freude ver-mehret werden, wenn ich mich mit den Mcinigcn freuen dürfte.Atreus . Glaube, daß sie so gut verwahrt sind, als ob du