SW Theatralische Bibliothek,
schon gesehen, ohne die vorläufige Einführung der Iuno dieEinheit der Handlung gelitten haben; und im Thyest, ohne dieVorbereitung der Furie, die innere Wahrscheinlichkeit der Hand-lung, so sehr auch die Wahrheit derselben durch die Geschichteausser allem Zweifel gesetzt seyn konnte. Diese Gleichheit nun,die ersten Aufzüge zu etwas mehr als zu blossen trocknen histo-rischen Einleitungen, welches sie in den meisten alten Trauer-spielen sind, zu machen, und durch sie einem ctwanigcn Tadelzuvorzukommen, beweiset, sollte ich meinen, so ziemlich einerleyDcnkungsart, die sich in besondern Vcrglcichungen noch deutli-cher zeigen muß. Zum Exempel, in Schilderung der Charaktereist der Verfasser des -Herkules vollkommen der Verfasser desThuest. Man erinnere sich aus jenem des Aveus und aus die-sem des Acreus. Es sind nicht nur beydes Tyrannen, sondernauch beydes Tyrannen von einerley Grundsätzen, welches sieschwerlich seyn würden, wenn es nicht die wiederholten Einfälleeben desselben Dichters wären. Ä.ycus sagt:
(ju'l mortv cunetos luvro kupplicium ^ulzetz
Rellcit ^rsrinus ellv. Divers» irroAa,
Alitorum veta poiirv, teliovm sudv.Und Arreus sagt:
Vo lirio pveniv loyueris, ego pammn vvlo.
poiimat tvrarmus lonis: in rogno mvo
lUcirs imjietrÄtur.Diese Gedanken könnten, ohne Zweifel, einander nicht glei-cher seyn, und nur der Verfasser selbst kann das Recht haben,sich auf eine solche Art auszuschreiben. Ein Nachahmer aberläßt sich hier, auch um deswillen, nicht vermuthen, weil ausser-dem weder der Dichter des Herkules noch der Dichter des Thvest,als zwey verschiedene Dichter betrachtet, an Sinnsprüchcn undschönen Gedanken so arm sind, daß einer dem andern ein sol-ches Blümchen hätte stehlen dürfen--Der dritte Punct,
in welchem ich beyde Stücke sehr ähnlich finde, sind ihre Fehler.Als einen der größten hat man die häufigen Beschreibungenbereits angemerkt. Man vergleiche aber nur die Beschreibungdes unterirdischen Reichs und der Thaten des Herkules, in demdritten Auszüge dieses Trauerspiels, etwas umständlicher mit der