Von den Trauerspiele» des Seneca.
liige mehr schimmcrndc als natürliche Stellungen, einige ziemlichwohl ausgedrückte Vcrsc, machten den ganzen Werth ihrer Ge-dichte aus. Ucbrigcns war weder glückliche Wahl des Stoss,noch kunstreiche Einrichtung darinnen zu spüren; die Charakterewaren entweder falsch, oder verfehlt; die Ncrsification war hartund prosaisch. Das ist der wahre Abriß der Stücke, welcheeine Mademoiselle Barbier, ein la Grange-Chanccl, ein Be-im, ein Pellegrin, ein Nadal, und andere von diesem Schlage,lieferten. Unter diesen war also Crebillon gleich Anfangs einesehr wichtige Erscheinung, und man muß es ihm zugestehen, daßer die Erwartung, die man von ihm hatte, nicht täuschte. Manwill sogar behaupten, daß er sich auf dem neuen Wege, wel-chen er crwchlte, kühnlich zwischen den Corneille und Racine zusetzen gewußt habe. Es ist mein Vorsaz nicht, diesen Lobspruchhier zu untersuchen, wo ich mich allein mit seinem Atreus undThyest beschäftigen will. Diesem Trauerspiele hat er zum Theildasjenige Beywort zu danken, durch welches ihn seine Landsleutevorzüglich zu charaktcristrcn pflegen. So wie ihnen Corneille dergrosse, Racine der zärtliche, Voltaire der prächtige heißt: soheißt ihnen Crcbillon der schreckliche. Wer sollte also nicht ver-muthen, daß er ein sehr starker und kühner Eopistc des lateinischenThuest seyn werde? Unter seiner Nation wenigstens mangelt esan Schriftstellern nicht, (z. E. der Verfasser des I)iet!onairo porta-tik äos Ikoati'vs,) welche mit ausdrücklichen Worten sagen:t^e eruol kujet, traitv par Kens«/ue, n a pas >.'t6 aclouci zmr IVIr.<to Oeü«7/»,i. Wie sehr sich diese Herren aber bctriegcn, wer-den wir bald sehen. Es ist wahrscheinlich genug, daß sie daslateinische Original gar nicht mögen gelesen haben; aber auchalsdcnn hätten sie nicht nöthig gehabt, die Wahrheit so weitzu verfehlen, wenn sie nur bey dem eignen Geständnisse desHrn. Crebillon geblieben wären. Er ist mit dem ganzen Stoffeauf eine sehr eigenmächtige Art umgegangen, und hat so vielVeränderungen damit vorgenommen, daß ich sie nothwendigvorher anzeigen muß, ehe man einen kleinen Auszug aus seinemStücke wird verstehen können. Die Zeit der Handlung setzt erzwanzig Zahr nach dem Verbrechen des Thycst, welcher dieAerope seinem Bruder, vor dem Altare weg, muß geraubt ha-