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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

ben. Er nimt an, Atreus habe zwar seine entwandte Ge-mahlin durch Gewalt wieder bekommen, und sey entschlossengewesen, sie dem ohngeachtct seiner Liebe zu würdigen. Alleindiese habe sich mit dem Thuest schon zu weit eingelassen gehabtund einen Sohn zur Welt gebracht, den sich jener nicht zueignenkönnen. Der erzürnte Atreus habe ihr darauf Gift beybringenlassen , und es selbst aus einem ihrer Briefe ersehen, daß Thuestder Vater ihres Sohnes sey, welchen der Dichter, nach Maß-gebung der Geschichte, Plisthenes nennet. Gleichwohl habeAtreus diesen Prinz als sein eignes Kind auferzichen lassen,in dem festen Vorsatze, ihn künftig zu dem Werkzeuge seinerRache zu machen. Thuest sey unterdessen nach Athen geflohen,wo er Schutz gefunden und eine andre Gemahlin genommenhabe, mit welcher er eine Tochter, Namens Theodamia, ge-zeugt. Alrcus, der nunmehr gcglaubct, daß Plisthcnes, alsein Züngling von zwanzig Jahren, der sich in verschiedenenFcldzügen schon rühmlich hervor gethan, reif genug sey, derMörder seines Vaters zu werden, habe mit dem Könige vonAthen heimliche Unterhandlung gepflogen, und das Versprechenvon ihm erhalten, daß er seinen Bruder ausgeliefert bekommensolle, nur müsse er selbst vor Athen kommen, und mit Gewaltdarauf zu dringen scheinen. Atreus geht also sogleich mit einerFlotte von Argos aus, die er den Lauf auf die Znscl Euboa nehmen läßt, damit Thyest nicht zu zeitig von seinem Vorha-ben Nachricht bekommen, und sich aus dem Staube machenmöge. Von LLuboa aus will er alsdcnn Plötzlich wieder zurück-scgcln und vor Athen seyn, ehe es sich jemand versehen könne.Doch dieser Borsicht ungeachtet, erfahrt Thyest das ihm dro-hende Unglück; flüchtet nebst seiner Tochter auf einem Schiffeaus Athen fort, und will sich während der Abwesenheit seinesBruders, wieder in Argos fest setzen, um den Atreus durchdiese Diversion wenigstens zu nöthigen, von der BelagerungAthens abzustehen. Allein das Unglück verfolgt ihn, und wirftihn durch Sturm zu eben der Zeit gegen die Znscl Euboea , alsAtreus wegen wiedrigcn Windes mit seiner Flotte noch vor dersel-ben liegen muß. Hier wird er lind Theodamie von dem Plisthe-nes selbst, unerkannter Weise, aus dem Wasser gerettet; und