_
Von den Trauerspielen des Seneca . 297
thanm Bitte, Nachricht zu geben. Zweyter Aufzug. Thyestund Theodamie cröfnen ihn. Der Vater dringt in seine Toch-ter, daß sie bey dem Atreus um ein Schiff bitten soll, undalle ihre Einwendungen von der Gefahr, die dabey zu besorgensey, sind umsonst. Er will aus dem Schiffe, wenn er es be,kommen sollte, nach Athen wieder zurük gehen, damit ihn diefeindliche Flotte nicht verhindere, diesem seinen einzigen Zufluchts-orte mit Rath und Hülfe beyzuspringcn. Er ficht seinen Bru-der kommen und entfernt sich. Ehe Atreus noch die Theoda-mie anredet, meldet ihm Alcimedon, einer von den Officicrcnder Flotte, daß ein von Athen kommendes Schif die Nachrichtmitgebracht, daß sich Thycst schon seit einem Monate nicht mehrdaselbst aufhalte. Er will den Patron des Schiffes selbst spre-chen, und nachdem er Befehl gegeben, ihn herbey zu bringen,fragt er die Theodamie, was ihr Begehren sey? Sie trägtihre Bitte vor, und antwortet ihm auf verschiedene Fragen,die er ihr wegen ihres Unglüks, wegen ihrer Reise, wegen ih-res Vaters vorlegt. Endlich erinnert er sich, daß er diesen lez-tern noch nicht gesehen, und will wissen, warum er sich vorihm verborgen halte? Die Tochter entschuldiget ihn, mit seinenkränklichen Umständen; doch dieser Entschuldigung ohngeachtctschickt er einen von seiner Wache ab, und will den unglückli-chen Fremdling mit aller Gewalt sehen. Die Wache bringt ihn.Er thut eben die Frage an ihn, die er an seine Tochter gethanhatte; bekömmt aber ganz widersprechende Antworten darauf.Endlich erkennt er den Thyest an der Stimme, und noch mehr,wie er sagt, an den plötzlichen Aufwallungen seines Zornes.Thyest verleugnet sich nicht lange, und Atreus will ihn sogleichdurch seine Trabanten ermorden lassen, als er sich noch besinnt,daß er dem Plisthenes diesen Mord vorbehalten müßte. Plisthe-nes erscheint; erfährt, daß der Vater seiner Geliebten Thyest sey/ und nimmt sich desselben mit solchem Nachdrucke an, daßAtreus genöthigt ist, seinen Zorn zu verbergen, und sich ver-söhnt zu stellen. Auf diese erfreuliche Veränderung gehen alleab; im Abgehen aber giebt Atreus dem Euristhencs noch Be-fehl, diejenigen von den Soldaten bey Seite zu bringen, welchedem Plisthenes etwa am meisten ergeben seyn könnten, und