Lon den Trauerspielen des Seneca,
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Vaters in den äussersten Sorgen sey, welcher wie rasend indem Pallastc herum irre, und dem Atreus den Dolch in das Herzflössen wolle, weil er gewiß glaube, daß der Tyrann sowohlseinen als des Plisthenes Tod geschworen habe. Der Prinzwill ihn aufsuchen, aber Thyest erscheinet selbst, und erfreutsich, daß seine Furcht vergebens gewesen, in der er den Plisthe-nes schon für ermordet gehalten. Dieser dringt mit aller Ge-walt in ihn, sich sogleich auf die Flucht zu machen, und willihm seinen Vertrauten mitgeben, welcher ihn bis in den Hafenbringen solle. Doch Thyest hält es für seiner Ehre unanstän-dig, sich zu retten, und denjenigen, dem er diese Rettung würdezu danken haben, der größten Gefahr seinetwegen ausgesetzt zuwissen. Während diesem großmüthigen Weigern kömmt Atreus dazu. Er sieht ihre Bestürzung, und nimt von derselben Ge-legenheit, auf einmal sich als eine ganz veränderte Person zuzeigen. Er sagt, der Himmel habe sein Herz verändert, undalle Rache daraus vertilget; und damit er seinen Bruder vonder Aufrichtigkeit dieses Bekenntnisses überzeugen möge, entdeckter, wer Plisthenes sey, und zu was für einer grausamen Thater ihn bestimmt gehabt habe. Die Erkennung ist rührend, undPlisthenes sieht mit Entsetzen auf die Laster zurück, in die ihnsein grausames Schicksal beynahe gestürzt hätte. Fast wäre erein Vatermörder und ein Blutschänder geworden! Doch Atreus will dieses, daß er dem Thyest seinen Sohn wicdcrschcnkt, nichtdie einzige Versicherung seiner völligen Aussöhnung seyn lassen;sondern erbietet sich auch, mit seinem Bruder aus dem väterli-chen Becher zu trinken, welcher für die Söhne des Tancaluseben das sey, was den Göttern der Schwur bey dem Styx zuseyn Pflege. Thyest nimmt dieses Erbieten an, und es gehenalle mit einem Scheine von Zufriedenheit ab; nur Plisthenesbehält Verdacht, und giebt seinem Vertrauten Befehl, die Schiffeim Haftn noch immer in Bcrcitschafft zu halten. Fünfter Auf-zug. Auch zu Anfange dieses Auszuges kämpfet er noch mitschrecklichen Ahndungen. Thessander will ihn beruhigen, undräth ihm, nicht zu entfliehen, weil diese Flucht den Atreus aufsneue aufbringen möchte, welcher sich jczt gegen den Thyest ganzausnehmend freundschaftlich bezeige, und ein prächtiges Fest