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Theatralische Bibliothek.
ihm zu Ehren anstellen lasse. Doch dem ohngeachtct hörtPlisihenes nicht auf, zu fürchten, und schickt den Thessanderfort, die Theovamie abzuholen, und sich mit ihr nach demHafen zu begeben. Er selbst will den Thuest in gleicher Ab-sicht aufsuchen, und eben fortgehen, als Atreus mit seinerWache herein tritt, und ihm aus der vorgesetzten Flucht, dieer erfahren habe, ein Verbrechen macht, unter dessen Borwandcer ihn zum Tode verdammt. Plisthenes entschuldiget sich nurwenig, und ist bloß für seinen Water und seine Schwester be-sorgt, von welchen er versichert, daß sie keinen Antheil an sei-ner Veranstaltung zur Flucht gehabt hätten. Er bittet für sie;doch der Tyrann läßt ihn von der Wache fortschleppen, um ihnin der schmerzlichsten Ungewißheit von dem Schicksale dieser ge-liebten Personen hinrichten zu lassen. Nunmehr frohlocket Atreus vor sich selbst, und kitzelt sich im voraus mit der Rache, die erdurch das Bltit des Sohnes gegen den Vater ausüben wolle.Beynahe erschrickt er zwar selbst, über seinen grausamen Anschlag;doch er erinnert sich gar bald wieder, daß er Atreus sey, undden Thyest, wenn er ihn strafen wolle, nicht anders als aufeine unerhörte Art strafen müsse. Der unglückliche Bruder er-scheint mit einem Gesichte, auf welchem sich Furcht und Trau-rigkeit zeigen. Er bittet, um wieder ruhig zu werden, daß manseine Kinder zu ihm lasse, und Atreus hält ihn so lange mitzwcydcutigen Tröstungen auf, bis der väterliche Becher herbeygebracht wird. Thyest ergreift ihn, und will ihn an den Mundbringen, als er das Blut darinnc gewahr wird. Er erschrickt;seine Tochter kommt dazu und meldet den Tod ihres Bruders;er merkt, daß es das Blut seines Sohnes sey, und bricht gegenden Arreus in Vorwürfe und Verwünschungen aus. Er ver-langt nicht länger zu leben; doch eben darum, weil ihm dasLeben nunmehr zur Last sey, will es ihm der Tyrann lassen.Doch kLhyest verschmäht diese grausame Gnade, und ersticht sichselbst. Sterbend beruhiget er noch seine Tochter, und läßt sieauf die Rache des Himmels hoffen. Atreus geht mit seinerBosheit zufrieden ab, und das Stük schließt - - - Ich habediesen trokncn Auszug nicht in der Absicht vorgelegt, den Werthdes Dichters daraus zu bestimmen; ich würde sonst eben so thö-