304 Theatralische Bibliothek.
„räthercy und Verstellung fast immer von der Grausamkeit un-zertrennlich sind :c."
Von den übrigen lateinischen Trauerspielen in den folgen-den Stücken.
VIII. Des Hrn. Ludewig Riccoboni Geschichteder italiänischen Schaubühne.
Nachricht von Vcm Verfasser.K.udcwig Riccoboni war ein Modcncscr von Geburt, welcheohngcfchr in die Jahre 1L82 oder 83 fällt. Er mochte auseiner ganz guten Familie seyn, weil er selbst, an einem Orteseiner Schriften, den Antonüis Riccoboni, einen Professor zuPadua , aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, für einenseiner Vorfahren wahrscheinlicher Weise hält. Er mußte abersehr jung diejenige Lebensart ergriffen haben, in welcher er sichhernach aus eine doppelte Art sehr rühmlich hervorthat. Dennschon in seinem zwey und zwanzigsten Zahrc, wie man es wei-ter unten aus seinem eignen Munde hören wird, war er dasHaupt einer Gesellschaft von Schauspielern, die in den Städtender Lombarde») und besonders zu Venedig mit vielem Bcyfallespielte. Er gab sich ganzer zehn Zahr lang in seinem Vatcr-landc sehr viel Mühe, die Bühne aus ihrem damaligen Verfallewieder in die Höhe zu bringen, und sie besonders von dem un-regelmäßigen Wüste zu reinigen, welcher damals auf derselbenherrschte. Doch weil ihm diese Bemühungen so glücklich nichtausschlagcn wollten, als sie es wohl verdient hätten, ward eres übcrdrüßig, unter einem Volke nur Undank damit zu verdie-nen, dessen Hauptgcschmack auf nichts als Possen ging. Ernahm also den Vorschlag an, den man ihm damals that; nehm-lich eine Gesellschaft italiänischer Schauspieler sür den Königvon Frankreich zusammen zu bringen, und mit derselben nachParis zu gehen. Er laugte daselbst im May 1716 an. SeinThcatcrname, unter welchem er sich bekannt machte, war Z.clio.Als Actcur fällte man das Urtheil von ihm, daß ihm zwardas Anmuthigc und Reihende fehle, daß sich aber sei» finstresAnsehen vollkommen wohl schicke, traurige und übertriebene