Theatralische Bibliothek.
die Folge der Scenen, einige der scherzhaftesten Einfälle, undhier und da ein Theaterspicl bemerkt sind; die Ausführung derRollen wird eines jeden Schauspielers eigener Geschicklichkeitüberlassen. Viele von diesen Entwürfen sind sehr alt, und ha-ben sich seit undenklichen Zeiten von einer Bühne auf die an-dere, von einem Actcur auf den andern fortgepflanzt. Und jealter sie sind, desto vortrcflichcr sind sie oft; ja sie scheinennicht selten Ueberblcibsel alter Verlorner römischen Lustspiele einesplautinischcn Kopfes, wenigstens von der geringern Art derXNimen, zu seyn; verunstaltete Ucbcrdleibscl zwar, aber dochUeberblcibsel. Neuere Komödienschrcibcr haben sich ihrer auchsehr wohl zu bedienen gcwust, und besonders will man vonZNoliercn wissen, daß er sich uugcmcin aus ihncn bereichert, unddaß er, wenn man ihn zur Wiedererstattung dieses gelehrtenRaubes zwingen könnte, der große komische Kopf vielleicht nichtmehr scheinen dürfte, für den er itzt durchgängig gehalten wird.ES ist diese Beschuldigung nicht ganz ohne Grund; nur mußman nicht glauben, daß sie dem Manne, dem man sie macht,schimpflich sey. Ein komischer Dichter von tNolieres Gattungkann ohnmöglich alles aus seinem Kopfe nehmen; andere Dich-ter können es weit eher; auch vielleicht andere komische Dichter,deren Personen man es aber auch anflehet, daß sie alle in ei-nem Gehirne erzeugt worden. Und was bekümmert sich endlichdas Publicum darum, wo cin Moliere den Stof, es zu be-lustigen, hcrnimt? Wenn das stehlen heißt, sagt das Publi-kum, so wollten wir wohl alle komische Dichter höflich ersuchthaben — gleichfalls zu stehlen.
Dieses nun, und die Betrachtung, daß wir Deutsche, ohneWiderrede, unter allen gesitteten Völkern,-in dieser Art vonPoesie, die meisten Hülfsmittel bedürfen, haben mich bewogen,die besten Entwürfe ungcdrucktcr italiänischer Lustspiele zu sam-meln, und gleichsam ein Magazin für unsere komische Dichteranzulegen, aus welchem sie sich sicherer und zugleich unschuldigerversorgen können, als aus ganzen gedruckten Stücken, die leichtselbst in einer Übersetzung auf unserer Bühne erscheinen, undfie also der Gefahr, verglichen zu werden, aussetzen möchten.
Zch werde mich zwar bloß auf das italiänische Theater zu