Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

3Z0 Theatralische Bibliothek.

findet, betrogen, und nimt ihn für eben diesen Mario, denman alle Augenblicke von Lissabon erwartet, wo cr sich seit ei-nigen Jahren aufgehalten. Lclio versichert den Scaramouchc,daß cr sich irre, und bemüht sich vergebens, ihn aus seinemIrrthum zu bringen. Dieser besteht darauf, daß cr nothwendigMario scyn müssc, und übcrrcdct cs auch dcm altcn Capandro,der sich durch dic nchmlichc Achnlichkcit hintcrgchcn läßt undihn zwingcn will, scin Sohn zu seyn, und scinc Wohnung tcyihm zu nehmen.

Harlequin, des Lclio Vcdicntcr, ist vollcr Unwille, daß sichscin Hcrr diesen Irrthum nicht zu Nutze machen will, dcr ihmum so vicl nützlicher seyn könntc, da ihnen das Gcld zu man-geln anfängt, weil sic allzuplötzlich abgereiset und dic crwartc-tcn Wcchsclbricfc ausscnblicbcn. Er cntschlicßt sich also dicWeigerung seines Herrn durch eine in dcr Geschwindigkeit er-sonnene Fabel wieder gut zu machen. Cr crzchlt dcm Scara-mouchc und dem Capandro, daß scin Hcrr durch eine schr gc-fährlichc Krankheit das Gedächtniß gänzlich verloren habe, sodaß man ihm alles, was cr vorher gewußt, wicdcr von ncucmbeybringen müssc. Und glcich diejenigen Dinge, dic ihm vorheram geläufigsten gewesen, würden ihm itzt am schwersten zu be-halten; zum Exempel, scin eigener Name, und der Name sei-ner Familie. Dabcy habe cr sich dcnn in dcn Kopf gcsctzt, daßcr nicht Mario Ardcnri, sondcrn cin gewisser L.elio Lundorisey, dcr Genua , wcgcn cincs gchabtcn Zwcykampfs, verlassenhabe. Ucbrigcns spreche cr von allen Dingen schr vernünftig,daß man leicht mit ihm betrogen werden könne, wcnn mannicht die wahren Umstände wisse. Capandro und Scaramoncheglauben diese Fabel; und je mchr Mühc sich Lclio also gicbt,sic aus dcm Irrthum zu bringen, desto hartnäckiger bestehen sicdarauf, daß cr Mario scy.

Endlich ficht sich Lclio gczwungcn, nachzugeben, zwar nichtsowohl wegen des Mangels, in welchem cr sich befindet, son-dcrn vielmehr aus Gefälligkeit gegen dcn Altcn, dcsscn Irrthumihn zum Mitlcidcn bcwcgt, und dcn er sonst zur Verzweiflungzu bringen besorgen muß. Er folgt ihm also in sein Haus,ans blosser Höflichkeit; als cr aber sieht, daß Flaminia des Al-