362 Theatralische Bibliothek.
Habers, wolle sie sich auch gänzlich der Zagd widmen, um end-lich einmal den liebenswürdigen Jäger, in welchen die Seeledes Adonis gefahren, zu finden, und ihn zu ihrem Gemahle zumachen. Pantalon ist hierüber in eben so grosser Verzweif-lung als Mario, der die Flaminia auf das zärtlichste liebt,und beyde suchen bey dem Scapi» Rath und Hülfe, der sichdie Unwissenheit des Harlcquins zu Nutze macht und ihn ohneMühe überredet, daß die Seele des Adonis in seinen Körpergefahren sey. Er stellt ihn also der Flaminia in der Verklei-dung eines Jägers vor, und glaubet zuversichtlich, daß sein häß-liches Gesicht sie von ihrer seltsamen Grille abbringen werde.Doch weit gefehlt, daß dieser Betrug diese Wirkung habensollte, so unterhält er vielmehr die Flaminia in ihrem Wahne,und sie beschließt den Harlcquin, seiner Häßlichkeit ungeachtet,zu lieben, weil sie es aufrichtig glaubt, daß die Seele des Ado-nis in diesen Jäger gefahren sey. Doch endlich nimmt Scapinauch daher Gelegenheit, sich der Grillen der Flaminia und derLeichtgläubigkeit des Harlcquins noch weiter zu bedienen, undversichert, daß Mars , auf die inständige Bitte des Mario, denHarlccmin verwandelt habe; daß dieser Gott die Vcrhcyrathungder Flaminia mit dem Mario durchaus verlange, dabey aberverspreche, daß die Seele des Adonis in den Körper des erstenKindes, welches aus dieser Hcyrath entspringen werde, fahren solle.Flaminia hcyrathct also den Mario. Das Theater öfnet sich;es erscheinen Bauern und Bäuerinnen, welche die Verwandlungendes Narcissus, des Hyacinthus, der Daphne und Clitia vorstel-len; und das Stück wird mit Singen und Tanzen beschlossen.6) I^o pl-io pintml, in fünf Auszügen, nach dem Entwürfedes ältern Riccoboni den 29 May 1718. zum ersten-male aufgeführt.Lclio, ein Edelmann von Fcrrara, hatte sich, nach demTode seiner Frau, zu Venedig niedergelassen, und seinen Sohnund seine Tochter, Mario und Flaminia, mit dahin gebracht.Die letzte ist der einzige Gegenstand seiner väterlichen Zunei-gung; er hat seine Augen nur für sie, und in allen Stückenist er, ihren Wünschen zuvorzukommen bemüht. Der Sohnhingegen ist der Gegenstand seiner Gleichgültigkeit, ja gar sei-