Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
353
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Entwürfe ungcdtticktcr Lustspiele des italiänischen Theaters. 3.53

»es Unwillens; cr kann ihn nicht ausstehen. Das Vorurthcil,welches cr noch über dieses für die Sitten Frankreichs hat, wocr sich einige Zcit aufgehalten, wird gleichfalls ein Anlaß zurUneinigkeit zwischen ihm und seinem Sohne. Denn weil dieserbloß die italiänischen Sitten kcnnct, so ist cr oft ganz andererMeinung, als sein Barer; da ihn hingegen Flaminia, welcheihre Rechnung bey der französischen Freyheit findet, in derMeinung bestärkt, daß dieses die einzige wahre und gute Lebens-art sey. Durch diese List hat sie die völlige Freyheit erhalten,die Bälle, Schauspiele und Spazicrgängc zu besuchen; und istalso von der Einsamkeit, in welcher das Frauenzimmer sonstgemeiniglich in Italien lebt, weit entfernt.

Ein junger Mensch, Namens Silvio, der in französischenDiensten stehet, und nach Bologna gchct, um seinen Oheimda zu besuchen, den cr lange nicht gesehen, siehet, auf seinerDurchreise durch Ncnedig, die Flaminia auf einem Balle; ihrWitz, ihre Manieren bczaubcrn ihn, und cr wird auf das hef-tigste in sie verliebt. Er hatte nicht erfahren können, wer siesey, denn da sie Französisch sprechen konnte, und dieser Cavalierder Gesellschaft als ein Franzose vorgestellet war, so hatte siesich, um dcstomchr verbergen zu bleiben, dieser Sprache bedie-net. Unterdessen war cr doch so glücklich gcwcscn, ihre Woh-nung zu entdecken, und suchte seit dem Tage alle mögliche Ge-legenheit sie wieder zu sehen, als cr mist von ohngcfchr dieViolette, das Mädchen der Flaminia, die auf dem Balle umsie gewesen war, antraf. Er macht sich diesen glücklichen Au-genblick zu Nutze, erkundiget sich nach ihrer Gebieterinn, undbemerkt mit uncndlichcm Vergnügen, daß sie seiner Begierde,sie wieder zu sehen, und selbst seiner Liebe, nichts weniger alszuwider ist. Allein Mario, der diesen Cavalicr so oft um scinHaus hatte schleichen sehen, kömmt in eben dem Augenblickemit dem Haricauin, seinem Bedienten dazu, und bezeigt seinenUnwillen gegen die Violette und den Silvio so laut, daß Lclioaus dcm Hausc heraus kömmt, um die Ursache dieses Lcrmszu erfahren. Violette entschuldiget sich, und Silvio weis seineSachen so gut zu machen, daß Lelio, als er von ihm erfährt,daß cr ein Franzosc sey, seinem Sohne Verweise giebt, undLessings Werke lv. 23