Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
354
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Theatralische Bibliothek.

dem jungen Fremden zugleich ungcmcin viel Höflichkeiten erwei-set, ja sich sogar erbietet ihn seiner Tochter vorzustellen, obsie sich gleich noch vor ihrem Nachttisch befände. Silvio, dereine solche Gunst nie hätte hoffen dürffcn, nimt das Anerbie-ten an. Mario will sich dagegen setzen, Lclio aber, den seineVerwegenheit erzürnt, jagt ihn von sich, und verbietet ihm,den Fuß wieder in sein Haus zu setzen. Der vermeintlicheFranzose hat also das Vergnügen, seine geliebte Flaminia zusehen, und sich an ihrem Nachttische zu befinden; allein seinGlück wird durch die Ankunft des Pantalon, welches der Schwa-ger des Lclio und der Oheim der Flaminia ist, unterbrochen.Dieser Mann, ein Ztaliäncr von altem Schlage, hatte von sei-nem Neffen Mario erfahren, was bey dessen Vater eben itztvorgegangen, und kömmt also sogleich, sich näher darnach zuerkundigen, und weil er es selbst sieht, daß man ihm keineUnwahrheit gesagt, so wird er gegen seinen Schwager ungcmcinaufgebracht. Silvio will sich wcgbegcbcn, und die listige Fla-minia, die sich fürchtet, ihr Vater möchte endlich dem PantalonRecht geben, läßt ein Paar erpreßte Thränen fallen, und sagtzu ihrem Vater, damit sie ihm den Verdruß, den er täglichmit ihrem Oheim und ihrem Bruder ihretwegen habe, ersparenmöge, so sey sie entschlosscn, sich ins Kloster zu bcgcbcn, undbitte um seine Einwilligung dazu. Lclio wird durch die Thrä-nen seiner Tochter erweicht, und sagt seinem Schwager, daß erallein Herr in seinem Hause seyn wolle; und ihm dieses zu be-weisen, wolle er nicht allein, daß der fremde Cavalicr seineTochter besuchen, sondern sogar zu ihm in das Haus ziehensolle; und wem dieses nicht anstehe, der dürfte nur von ihmwcg bleiben. Dieses Complimcnt sctzct dcn Pantalon und Ma-rio in die größte Verwirrung; das hieß, nach ihrer Meinung,dcn Wols in die Horden lassen. Sie mußten also auf ein Mit-tel wider dieses Ucbcl bedacht seyn; allein ihr aufgebrachtes Ge-müth verhinderte sie, auf ein gutcs zu fallen. Sie beschlossenunter sich, Harlcquin solle bey dem Lclio um Verzeihung bitten,damit er ihn wieder in sein Haus aufnchme, und Harlcquinauf alle Handlungen uud Reden des jungen Franzosen und derFlaminia Acht haben könne; allein sie hatten nicht vorher gcsc-