Entwürfe migednicktcr Lustspiele des italiänischen Theaters. 361
der tugendhaften Nichte entferne. Er befiehlt Clariccn, sie zu um-armen, und sie aus Liebe für ihn, zu küssen. Was aber geschieht?Pantalvn entdeckt dem Lclio daß diese Nichte nichts anders alsein verkleideter Neffe ist, um vor den Verfolgungen seiner Feindeund der Gerechtigkeit sicher zu seyn; er fügt hinzu, daß er zudieser Verkleidung gezwungen worden, weil er zu Venedig einenNebenbuhler bey einer gewissen Dame, die er geliebt, erstochen.Plötzlich verläßt Lclio seinen Schwiegervater, und eilet seineFrau von diesem Cavalicrc wieder zu trennen; er jagt den letz-tem schimpflich aus seinem Hause, und verbietet ihm, den Fußjemals wieder hinein zu setzen. Unterdessen kann Clarice die.Verfolgung ihres Mannes nicht länger ausstehen, und findetGelegenheit zu entfliehen. Sie bcgiebt sich mit der Gräfin, ih-rer Freundin, nach einem Hause zu Chaillot, welches dieser letz-tem gehört; und hier ist es, wo sich das Stück schließt. Claricebefindet sich da in guter und lustiger Gesellschaft; man singt,man tanzt; ehe sie sichs aber versehen, wird ihre Lustbarkeit durchdie Ankunft des Eifersüchtigen unterbrochen, der mit grossemGeschrey seine Frau, als ein Gut, daß man ihm gcraubct, wie-der verlangt. Clarice aber erklärt sich rund und frey, daß sieden Rest ihres Lebens lieber in einem Kloster zubringen, alswieder in ihr Gefängniß zurückkehren wolle. Lclio schwört, daßer ihr alle Freyheit, die sie nur wünschen könne, lassen wolle;sie ist zu verständig, als daß sie dieses Anerbieten mißbrauchensollte; sie verspricht, nie anders als in seiner Gesellschaft aus-zugehen, und bey keiner Lustbarkeit ohne ihm sich cinznfindcn.Die Aussöhnung kömmt also, vermittelst der Gräfin und derübrigen gemeinschaftlichen Freunde zu Stande; und das Stückschließt sich vollends mit Tanzen und Singen.
8) I^>a AüoZlio Felot'a, in drey Auszügen nach dem EntwurfdeS ältern Riccoboni.
Dieses ist das Stück, dessen Riccoboni, in seiner Geschichteder italiänischen Schaubühne selbst gedenket. Er hatte es bereits17t>4 in Italien verfertiget; zu Paris aber ward es den 4 Zu-nius zum erstenmale aufgeführt.
Die Personen sind: Ä.elio der Gemahl der Flamin»'«, Vio-lette und -Harlequin; Bediente des Lclio. Mario, ein Freund