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4 (1838)
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Vorrede zu Mylius Schriften.

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nur bey dem letzten Geräusche, welches er machte, recht kennenlernte. Ich bestimmte sie zwar nur für zwey Augen; da ichaber niemals gern für zwey Augen etwas zu schreiben Pflege,welches nicht allenfalls tausend Augen lesen dürften: so macheich mir kein Bedenken, sie dem Leser vorzulegen. Er wird allesdarinnen finden, was ihn in den Stand setzen kann, von denfolgenden prosaischen und poetischen Aufsätzen, zugleich auch vonallen übrigen Schriften des Hrn. Mylius, ein richtiges Urtheilzu fällen. Sie bedürfen keiner weitem Einleitung.

Erster Brief.Vom 20. März 4754.Za, mein Herr, die Nachricht ist gegründet; Herr Myliusist zwischen dem 6ten und 7ten dieses in London gestorben. Ichnehme Ihr Beyleid, welches Sie mir in diesem Falle bezeugenwollen, an. Sie kennen mich zu wohl, als daß Sie mir beydiesem Verluste nicht alle die Empfindlichkeit zutrauen sollten,deren ein zur Freundschaft gemachtes Herz fähig ist. Es machteinen ganz besondern Eindruck auf mich, ihn nunmehr in einerWelt zu wissen, die etwas mehr und etwas anders als die See,von der unsrigen trennet. Die Art, mit welcher ich von ihmAbschied nahm, war eine Beurlaubung auf einige flüchtige Tage,und kein Abschied, so gewiß bildete ich mir ein, ihn wieder zusehen. Ich spottete über die, welche ihm gar zu gern das Herzschwer gemacht hätten.

Wohin, wohin treibt dich mit blutgen Sporen,

Die Wißbegier, dich, ihren Held?

Du eilst, o Mylius! im Auge feiger Thoren,

Zur künftgen, nicht zur neuen Welt.So redete ich ihn in einem kleinen Gedichte, noch wenigeTage vor seiner Abreise, an. Aber ach, die Vermuthung dieserfeigen Thoren ist richtiger gewesen, als meine Hoffnung! Undgleichwohl war sie auf die Kenntniß seines Körpers, den ich nieeiner merklichen Unbäßlichkcit unterworfen gesehen hatte, undauf das Urtheil erfahrner Leute gcbauct, welche eben die Reisengethan hatten, die er zu thun Willens war, und die daraufschworen, daß er das vollkommnc Ansehen eines guten Seefah-rers habe. Sagen Sie mir, möchte man nicht die Lust verlieren,

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