Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1764.
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nach sehr wohl überzeugt sind, in so ferne man ihn ncmlich als denGrund braucht, alle Regeln der schönen Wissenschaften in einem cri-tischen Zusammenhange auf denselben zu bauen; nicht aber, in so ferneman ihn, zum Exempel einem Anfänger in der Dichtkunst, als einenLeitfaden empfehlen will. Alsdann nur, wiederhohlen wir nochmals,ist er viel zu weit entfernt, als daß er ihm bey allen einzeln Fällen,aus den vorkommenden Schwierigkeiten helfen könne. Ilebrigens ha-ben wir die Erfindung desselben weder dem Herrn Pastor, noch demHerrn Batteux, dadurch absprechen wollen, wenn wir behauptet, daßschon Aristoteles und Horaz seiner gedacht hätten. Wir haben damitweiter nichts sagen wollen, als dieses, daß es schon die Alten einge-sehen, wie die schönen Wissenschaften alle darauf beruhten, ohne ihndeswegen ihren Lehrlingen überall zu einer Richtschnur zu geben, diesie ohne nähere Regeln sehr oft würde verführet haben. Kostet inden Voßischen Buchläden hier und in Potsdam 4 Gr.
(23. Febr.) Der Rußische Avanturier, oder sonderbare Be-gebenheiten des edeln Russen Demetrius Magouskyn genannt.Aus dem Spanischen ins Deutsche überseyt. Franks, und Leip-zig 1753. in 8vo 1 Alphab. S Bogen. Dieser Roman muß sichnothwendig von einem ehrlichen Deutschen herschreiben, dem der Ruhmseiner Nation am Herzen liegt. Da er sahe, daß sie auf seinen Witzunmöglich würde stolz thun können, so wollte er ihr wenigstens denVerdruß, sich seiner zu schämen, ersparen, und setzte also diese Hirn-gcburth auf die Rechnung der Spanier, die mit ihrem Don Quiroteohnedem nicht viel Ehre eingelegt haben. Es wäre zu wünschen, daßalle elende Schriftsteller ihm diesen Kunstgriff nachmachten, damit wirden Ausländern bald eben so viel nichtswürdige Werke vorrückenkönnten, als sie uns vorzuwerfen pflegen. In der Sprache des Ver-fassers von diesen Begebenheiten einen kleinen Begriff zu machen, sosind sie ein Tummelplatz von Veränderungen, auf welchem bald einSchoßkind des Glückes, bald ein verworfner Sohn und dem Unglückeübergcbncr Sklave zu sehen ist; sie sind ferner ein Journal das zumunvergeßlichen Andenken ausgestandener fatvrum aufgesetzt worden, un-ter welchen eine dreyfache Hcyrath so etwas wunderbares ist, daßman ihre Seltsamkeit kaum glauben wird. Hierbey will ihr Geschicht-schreiber den Leser nichts mehr als dieses gebeten haben, daß er sichentweder spöttischer Tadelsucht enthalte, oder lieber das Werk, als sei-