Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
175
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Delicalesse.

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ist nicht immer ein Beweis eines läutern Herzens nnd einer reineneinbildungSkraft. Sehr oft sind das verschämteste Betragen und dieunzüchtigsten Gedanken in einer Person. Nur weil sie sich dieser jvsehr bewußt sind, nehmen sie ein desto züchtigeres Aeußerliche an.Durch nichts verrathen sich dergleichen Leute aber mehr, als dadurch,daß sie sich am meisten durch die groben plumpen Worte, die dasUnzüchtige gradezu ausdrücken, beleidiget finden lassen; und weit nach-sichtiger gegen die schlüpfrigsten Gedanken, wenn sie nur in feine un-anstößige Worte gekleidet sind.

Und ganz gewiß sind doch diese den guten Sitten weit nachtheili-ger, weit verführerischer.

Man hat über das Wort Hure in meiner Minna geschrien.Der Schauspieler hat es sich nicht einmal unterstehen wollen zu sagen.Immerhin; ich werde es nicht auSstrcichcn, und werde es überall wie-der brauchen, wo ich glaube, daß es hingehört.

Aber über Gelierten seine Zweydeutigkeiten, über das verschobncHalstuch und dergleichen, im Loos in der Lotterie, hat sich niemandaufgehalten. Man lächelt mit dem Verfasser darüber.

So ist eS auch mit Fildingen und Richardson gegangen. Diegroben plumpen Ausdrücke in des ersten: Andrews und Tom Joncssind so sehr gemißbilliget worden, da die obscönen Gedanken, welchein der Clarisse nicht selten vorkommen, niemanden geärgert haben.So urtheile» Engländer selbst. °

° Die Verfasser des »ion»>i^ ileviow (Vol. XX. p. 132.) wen» siesich darüber anfbalten, daß Rousseau die Clarissc für den schönsten und bestenRoman in allen Sprachen hält. In Msiice to ll>e memorv ot a wie ver>inßieniiis ^Vriler, vv csnnot Iielp I-Minx nolice uere, uov krequenll^ ^voI>»ve been lurpriüell lo liinl Perlons, nrelenuinx? lo oelic-lev, so mueu offen-oea »t lke ooarlo expreMuns lue^ nieel ^villl in /o/c/i/t ^tn-^eics snS ^om/o»es; «lule Mo impure »na «klcenö lliouglils Mst occur in <7/a?-!^<iIisvo not given Mein lliv leatt umdr»ge. >Ve voulck ssk llieke verz? SeliciUoperson», ^vliicl» lUe> tliink vk vors« lenaencv, » eosrke iiie», exprekke«!in vulgsr l!>nxu»s;e, in ilkelk öisxuklins, or sn iSe» equsll^ luscious »n<>lwpure, conveyea In vvoräs lliat m»x UesI on tue »ffeclions vk Ms üo-trl,villwut »l!lri»ing Mo esr? <Zn lliis veeslion vve cünnot korbesr excl»-wiax villl ll»e con/?c/o,» »Ir». M/>«/o/iIU»rr^ come uv! peovl's vsrsaro koweliwes tue nlcest vart ouout Mew. Ohne Zweifel sagt das Slip-slop in irgend einer englischen Komödie; aber es ist vom Moliere entlehnt,aus seiner Kritik der Weibcrschule.