Kollcktanccn zur Literatur.
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dung, und habe einen in seinem Betragen sehr natürlichen, und inBetracht seiner Kenntnisse gar nicht unebnen Mann an ihm gefunden.Wir sprachen zuerst von der hiesigen öffentlichen Bibliothek.Der Professor und Bibliothekar Wolf hat sich seit 1739 ihrer so be-mächtigt, und sich so unerlaubte Dinge mit ihr herausgenommen, daßes unbegreiflich ist, wie man ihm alles so für genossen hat ausgehenlassen. Der verstorbene Pastor Wolf und dieser sein Bruder hatteneine gemeinschaftliche Bibliothek; und als jener starb, fand man zwarkein förmliches Testament, aber doch einen schriftlichen Aufsatz, ver-möge dessen er seinen Antheil der öffentlichen Bibliothek vermachte,doch mit der Bedingung, daß sein Bruder Zeitlebens den Gebrauchdavon behalten, und nicht genöthigt sevn sollte, sie abzuliefern. Weilsich diese Bibliothek nun in einem öffentlichen Prcdigerhause befand,welches gcbauet werben mußte, so ließ sich Wolf gefallen, sie auf dieöffentliche Bibliothek zu räumen, für welche die Stadt, in Rücksichtauf dieses Vermächtniß, ein neues Gebäude hatte aufführen lassen-Hicdurch nun glaubte Wolf ein Recht erlangt zu haben, mit der gan-zen Bibliothek zu schalten und zu walten, wie er wollte. Er schlugsogar seine Wohnung darin auf, schnitt die Kupfer aus den Büchern,um sie in eigne Sammlungen zu bringen, und kehrte das Unterste zuOberst, alles ungcrügt, weil er sich geäußert hatte, daß er nicht alleinseine» Antheil an der Bibliothek, sondern auch noch sein ganzes Ver-mögen, das sich vielleicht auf 30,00» Mark belaufen mag, der öffent-lichen Bibliothek vermachen wollte. Er hatte sich hierzu unter der Be-dingung erboten, daß man einen gewissen Studiosum Wolf, einenbloßen Namensvetter von ihm, den er zu sich genommen hatte, undan dem Katalog arbeiten ließ, ihm adjungircn und substituircn sollte.So sehr sich Gocze dagegen setzte, und so ungewöhnlich hier einesolche Survivance ist; so ging cS doch bei den Oberalten durch, under erhielt die Vokativ» für seinen AmanuensiS. Aber was er nun mitdieser Vokation machte, ist erstaunlich! Er brauchte sie nicht, um denjungen Mann damit zu beglücken, sondern ihn damit zu peinigen.Denn er hatte sich unterdessen mit ihm überwerfen. „Siehst du,„Bestie, sagte er zu ihm, das habe ich für dich thun wollen! Da»„Glück hast du bei mir verscherzt! Das sollst du nicht allein nun nicht„haben, sondern nun will ich dich auch noch zum Hause hinauSprügeln„lassen!" Indem giebt er einem dazu bestellten Kerl eine» Wink, undWolf hatte Zeit, sich aus dem Staube zu machen. Die Geschichteist gewiß; und dieser Wolf ist jetzt Prediger in Nordcrditmarschcn.Er verklagte hierauf den Professor, weil er ihm für seine Arbeit an