746 Sctt'stbetr.ichllmgcil, einfalle und kleine Aufsätze.
tcinisch IlorUIiomis nannte. Nur habe ich gefunden, daß dcinungcachtetdieser erste einzelne Abdruck auch verschicdne ganze Anincrkungcn mehrhat, deren sich CasaubonuS ohne Zweifel hernach schämte. Und auchdas ist von einem so gelehrten Manne angenehm zu wissen, was ernach erlangter mehrerer Einsicht in der Folge in seinen eigenen Schrif-ten gemißbilligt hat.
Ucbersetzung des Charrou.
Was ist daran, daß die Herzogin Sophia Elisabeth, Herzog AugustsGemahlin, den Charron überseht habe? S- placeius u'o ^uv». p. 4t»9,
Selbstbetrachtungen, Einfälle und kleine Aufsätze.*)
Es war Abends um sieben Uhr, und ich wollte mich eben hinsehen,meinen eilftcn antiquarischen Brief auf das Papier zu werfen, wozuich nichts weniger, als aufgelegt war; als mir ein Brief gebrachtwird, aus welchem ich sehe, daß ich es damit nur anstehen lassenkann — daß ich es damit vielleicht auf lange werde anstehen lassenmüssen. Das ist doch ärgerlich! sage ich mir, wie wird der Manntriumphircn! Doch er mag triumvhiren. Ich, ich will mich nichtärgern, oder mich geschwind, geschwind abärgern, damit ich bald wie-der ruhig werde, und mir den Schlaf nicht verderbe, um dessen Er-haltung ich besorgter bin, als um alles in der Welt.
Nun wohlan, meine liebe Irascibilität! Wo bist du? wo steckstdu? du hast freyes Feld. Brich nur loS! tummle dich brav!
Spitzbübin! So? du willst mich nur überraschen? und weil dumich hier nicht überraschen kannst, weil ich dich selbst hehc, selbstsporne: willst du mir zum Trope faul und stetisch seyn.
Nun mach bald, was du machen willst, knirsch mir die Zähne,schlage mich vor die Stirne, beiß mich in die Unterlippe!
Indem thue ich das Letztere wirklich, und sogleich steht er vormir, wie er leibte und lebte — mein Vater seeliger. Das war seineGewohnheit, wenn ihn etwas zu wurmen anfing, und so oft ich mirihn einmahl recht lebhaft vorstellen will, darf ich mich nur auf dienehmliche Art in die Unterlippe beissen. So wie, wenn ich mir ihnauf Veranlassung eines andern Dinges recht lebhaft denke, ich gewißseyn kann, daß die Zähne sogleich auf meiner Lippe sihen.
Flilleborus Ncbcnstmidc», erstes Stück (1799) S. 77