Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
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749
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Selbstbetrachtungcn, Einfälle iind kleine Aufsätze.

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Ich habe gegen die christliche Religion nichts: ich" bin vielmehrihr Freund, und werde ihr Zeitlebens hold und zugethan bleiben. Sieentspricht der Absicht einer positiven Religion, so gut wie irgend eineandere. Ich glaube sie und halte sie für wahr/ so gut und so sehrman nur irgend etwas historisches glauben und für wahr halten kann.Denn ich kann sie in ihren historischen Beweisen schlechterdings nichtwiderlegen. Ich kann den Zeugnissen, die man für sie anführt, keineandere entgegen setzen: es sey nun, daß es keine andere gegeben, oderdaß alle andere vertilgt oder geflissentlich entkräftet worden. Das giltmir itzt gleich viel, da die Sache in einer Waage abgewogen wird,in welcher aller Verdacht, alle Möglichkeit, alle Wahrscheinlichkeit, ge-gen ein einziges wirkliches Zeugniß nun einmahl so viel als nichts ver-schlagen soll.

Mit dieser Erklärung, sollte ich meynen, könnten doch wenigstensdiejenigen Theologen zufrieden seyn, die allen christlichen Glaubenauf menschlichen Beyfall herabsetzen, und von keiner übernatürlichenEinwirkung des heiligen Geistes wissen wollen. Zur Beruhigung derandern aber, die eine solche Einwirkung noch annehmen, setze ich hinzu,daß ich diese ihre Meynung allerdings für die in dem christlichenLchrbcgriffc gegründetere und von Anfang des Christenthums herge-brachte Meynung halte, die durch ein bloßes philosophisches Raisonne-mcnt schwerlich zu widerlegen steht. Ich kann die Möglichkeit derunmittelbaren Einwirkung des heiligen Geistes nicht leugnen: undthue wissentlich gewiß nichts, was diese Möglichkeit zur Wirklichkeitzu gelangen hindern könnte.

Freilich muß ich gestchen

Wenn ich mich recht untersuche, so beneide ich alle itzt regierendeKönige in Europa , den einzigen König von Preussen ausgenommen,der cS einzig mit der That bewcißt, Königswürdc sey eine glorreicheSclavcrey.

Gott hat keinen Witz, und die Könige sollten auch keinen haben.Denn hat ein König Witz, wer steht uns für die Gefahr, daß erdeswegen einen ungerechten AuSspruch thut, weil er einen witzigenEinfall dabey anbringen kann?

»

Folgende Anmerkung des Barclaiuö in Ansehung dcS Nachtheilsder Aristocratie vor der Monarchie «st vortrcflich: