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der Barmherzigkeit der Menschen/ oder unmittelbar aus der HandGottes gespeist zu werden. Er wird überall schimpflich abgewiesen;unterdessen nimmt sein Mangel zu, und mit ihm seine Verwirrung.Endlich geräth er in Wuth; er ermordet seine Frau, seine Kinder undsich. — Weinen Sie noch? — Hier erstickt der Schmerz die Thränen,aber nicht das Mitleid, wie es die Bewundrung thut. Es ist —
Ich verzweifelter Schwätzer! Nicht ein Wort mehr. Ist IhreRecension vom vevil W ps? schon gedruckt? Ich habe eine sehr merk-würdige Entdeckung in Ansehung dieses Stücks gemacht; wovon inmeinem nächsten. °)
Leben Sie wohl, liebster Freund!
Nachschrift. Was macht denn unser lieber Marpurg? GrüßenSie ihn tausendmal von mir. Ich lasse mich wegen des berühmtenDichters in seinen Oden schöne bedanken.
Liebster Freund!
Sie haben Recht; ich habe in meinem Briefe an Sie ziemlich inden Tag hinein geschwatzt. Heben Sie ihn nur immer auf; aber nichtzu Ihrer, sondern zu meiner Demüthigung. Er bleibe bey Ihnen eindauerhafter Beweis, was für albernes Zeug ich schreiben kann, wennich, wie ich mich auszudrücken beliebt habe, meine Gedanken unterder Feder reif werden lasse. Lassen Sie mich jetzt versuchen, obsie durch Ihre Einwürfe und Erinnerungen reifer geworden. Ich löschedie ganze Tafel aus, und will mich über die Materie von der Be-wunderung noch gar nicht erklärt haben. Von vorne!
Ich hatte in dem ersten Briefe an Hrn. Ntcolai von dieser Ma-terie geschrieben: die Bewunderung müsse in dem Trauerspielenichts seyn, als der Ruhepunrt des Mitleidens. Haben Sie michauch recht verstanden? Herr Nicvlai machte zu seiner zweyten Gattungder Trauerspiele diejenige, wo man durch Hülfe des Schreckens und desMitleidenS Bewunderung erregen wolle. In dieser Gattung also wird
°) Er hat hernach doch vergesse» die neue Entdeckung mitzutheilen.Nicolai.