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dung der Leidenschaft verbunden ist/ 1 nennen, oder 10, wenn jenerzu loo wüchse. Indem ich also 10 empfinde, kann ich nicht 1 empfin-den, das ist, so lange als ich die Schlange für eine wirkliche halte, kannich keine Lust darüber empfinden. Nun werde ich aber auf einmahlgewahr, daß es keine wirkliche Schlange, daß eS ein bloßes Bild ist:was geschieht? Die Unlust über den schrecklichen Gegenstand — 10fallt weg, und eS bleibt nichts übrig, als die Lust, die mit der Leiden-schaft, als einer bloßen stärkcrn Bestimmung unsrer Kraft, verbundenist, 1 bleibt übrig, das ich nunmehr empfinde, und in dem Grade 8oder to empfinden kann, wenn jener Grad, anstatt 10, 80 oder 100gewesen ist.
Wozu brauchen wir nun hier die Illusion? Lassen Sie mich meineErklärung auch an einem entgegengesetzten Exempel versuchen, umihre Richtigkeit desto ungczweifeltcr darzulegen. — — Dort in derEntfernung werde ich das schönste, holdseligste Frauenzimmer gewahr,das mir mit der Hand auf eine geheimnißvolle Art zu winken scheint-Ich geratbe in Affekt, Verlangen, Liebe, Bewunderung, wie Sie ihnnennen wollen. Hier kömmt also die Lust über den Gegenstand — 10mit der angenehmen Empfindung dcS AffectS — 1 zusammen, und dieWirkung von beyden ist — 11. Nun gehe ich darauf l»S. Himmel!ES ist nichts als ein Gemälde, eine Bildsäule! Nach Ihrer Erklärung/liebster Freund, sollte nunmehr das Vergnügen desto grösser seyn, weilmich der Affekt von der Vollkommenheit der Nachahmung intuitiv übcr--zcugt hat. Aber das ist wider alle Erfahrung; ich werde vielmehr ver-drießlich; und warum werde ich verdrießlich? Die Lust über den voll-kommnen Gegenstand fällt weg, und die angenehme Empfindung desAffekts bleibt allein übrig. Ich komme auf Ihre 2te Folge li). Dahergefallen uns alle unangenehmen Affekte in der Nachahmung.Der Musikus kann uns zornig :c. Hiecwidcr sage ich: Die unan-genehmen Affekten in der Nachahmung gefallen deswegen, weil sie inuns ähnliche Affekten erwecken, die auf keinen gewissen Gegenstand ge-hen. Der MustkuS macht mich betrübt; und diese Betrübniß ist mirangenehm/ weil ich diese Betrübniß blos als Affekt empfinde, und jederAffekt angenehm ist. Denn sehen Sie den Fall, daß ich während diesermusikalischen Betrübniß wirklich an etwas Betrübtes denke, so fällt dasAngenehme gewiß weg.
Ein Erempcl aus der Körperwclt! Es ist bekannt/ daß/ wennman zwey Saiten eine gleiche Spannung giebt/ und die eine durchdie Berührung ertönen läßt/ die andere mit ertönt/ ohne berührt zuseyn. Lassen Sie uns den Saiten Empfindung gebe»/ so können wir