Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
126
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LcssingS Briefe. 1758. 176!).

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Unterdessen, liebster Freund, werde ich das Gedicht doch der, mirbehalten, und in wenig Wochen einen Gebrauch davon machen, beywelchem der Dichter keine Gefahr läuft, und der Herausgeber sichnichts vorzuwerfen hat. Sie sollen damit zufrieden seyn; ich weiß esgewiß. Zeigen Sie aber dem Grenadier diesen meinen Brief nicht,denn ich fange wirklich an mich vor ihm zu fürchten. ES scheint, erläßt sich zu leicht in Harnisch jagen. Sein Major hat weit kälteresBlut, und ich würde wider den Schluß seines CissideS nichts zu sagenhaben, wenn ich auch der eifrigste Verfechter der Gcgenvarthcv wäre.Ich bin es aber nicht; daS wissen Sie.

Leben Sie wohl, liebster Freund, und schreiben Sie mir mitnächster Post, wenn ich nicht glauben soll, daß ich Sie durch diesenBrief unwillig gemacht habe. Ich bin Zeitlebens

Ihr

ergebenster Freund.Lessing ,

An Glcim.

Berlin , d. 14. Febr. 1759.

Liebster Freund,

Ich wollte Ihnen eben schreiben, und unserm kleinen Streit einEnde machen, als ich Ihren Brief mit der neuen Abschrift erhielt-Er macht, daß ich Ihnen ganz anders schreiben muß, als ich mirvorgenommen hatte, denn Ihre Verbesserungen haben der Sache eineandere Gestalt gegeben.

Alle unsere Freunde hier müssen mir bezeugen, wie sehr ich mitdem Gedichte des Grenadiers, als einem Gedichte, gleich vom Anfangezufrieden gewesen bin. Es ist mir nichts darin anstößig gewesen(auch nicht einmal rippeln :c) als bloß die Verwünschungen, vonwelchen ich überhaupt ein abgesagter Feind bin. Und diese Verwün-schungen haben nothwendig einen so starken Eindruck auf mich machenmüssen, da sie einen Prinzen betrafen, von dessen Charakter ich weitanders überzeugt bin, als daß ich das von ihm glauben sollte, wasihm die Flüche des Grenadiers zugezogen hat. Er verdient sie ganzgewiß nicht; und wenn er sie auch verdient hätte, so wäre es doch besser,daß der Grenadier das Verfluchen den Priestern überließe. Als Priestermag Herr Lange dieses unselige Vorrecht immer ausüben, und dienähere Erlaubniß dazu von Fricderich dem Soldaten itzt erschleichen,die ihm Fricderich der philosophische Rönig zu einer andern Zeit