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Lessings Briefe. 1769.
der ausgelassenen anstößigen Stellen gesagt worden ist, beleidigensollte/ so bitte ich im voraus um Verzeihung.
Ich sende Ihnen hierbev diese Briefe, weil Sie sie verlange».Aber wenn Sie glauben, daß ich der Verfasser davon bin, so thunSie mir keinen Gefallen. ES sind wohl einige Bolzen von mirdarin; weiter aber auch nichts. Leben Sie wohl, liebster Freund.Ich bin
Ihr
ergebensterLcssing.
An Gleim.
Berlin , den 18. Marz. 17.1'.'.
Liebster Freund,
Hier ist endlich das so lange verzögerte Gedicht unsers Grenadiers.Da er es in dem Formate der Kriegslicder hat wollen gedruckt haben,so hat es nicht besser können ausfallen. Ich habe einige Exemplarefür Sie sogleich broschiren lassen, und cS sind davon so viele zu Ih-rem Befehl, als Sie verlangen. Daß Sie vor langer als sechs Wo-chen noch drey blau gebundene Eremplare von den Liedern, für diePrinzen von Braunschweig , verlangten, werden Sie vielleicht schonwieder vergessen haben. Rechnen Sie mir aber die Saumseligkeit desBuchbinders nicht zu.
Ihre Oden des Anakccon haben mir sehr viel Vergnügen gemacht.Vergessen Sie ja nicht, mir in jedem Briefe eine oder zwcv zu schicken.Ich hoffe, wenn ich sie mit dem Griechischen vergleichen werde, nochmehr Schönheiten darin zu finden, die Ihnen eigenthümlich gehören,als ich bey dem ersten Lesen wahrgenommen habe, .lauer oanli-vl'Origm»! ist auch hier der einzige Weg, gut zu übersehen.
ES thut mir leid, daß ich nicht Ihre versprochene Verbesserungvon der streitigen Stelle:
Nicht deines Helden :c.habe abwarten können. ES war mit dem Drucke schon zu weit.Schicken Sie mir sie aber nur; gesetzt auch, sie wäre nicht mehr fürdas Publicum zu brauchen. Die zwey Wörter rippeln, und unan-gepackt hat Herr Ramler, weil sie Herrn Gärtner anstößig gewe-sen, und es also auch noch mehreren seyn könnten, mit gleichgülti-gen verwechselt.