LessingS Briefe. 4769.
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Noch folgt hlerbev ein Exemplar von einem kleinen Trauerspieletphilotas), welches Ihnen der Verfasser, der sich nicht genannt hat/mit ergebenster Empfehlung zuschickt. Er möchte gern durch mich er-fahren/ was Sie davon halten.
Leben Sie wohl, liebster Freund, und erfreuen Sie mich bald miteinem Briefe. Ich bin
Ihr
ergebensterLcssing.
An Gleim.
Berlin / den letzten März 1769.
Liebster Freund/
Ich kann Ihnen nicht beschreiben/ welch eine Freude Sie demVerfasser des philoras durch die angefangene Übersetzung gemachthaben. Er schließt daraus, daß er doch einigermaßen Ihren Beyfallhabe» müsse. Ich setze hinzu / daß Ihre Uebcrsetzung/ wenn Sie sofortfahren/ vortrefflich und die beste Kritik für den Verfasser werdenwird. Schenken Sie ihm immer das Muster, das ihm bis jetzt nochmangelt,- das Muster, meine ich/ einer cdcln tragischen Sprache, ohneSchwulst und ohne die zierlichen kleinen Redensarten/ die meinemBcdünkcn nach das ganze Verdienst der französischen tragischen Poesieausmachen. Der Einfall/ den Namen des Grenadiers dazu zu borgen/ist vortrefflich; nur besorge ich, daß das Publicum in einem etwasverdrießlichen Tone fragen möchte: aber warum macht uns denn derGrenadier nicht selbst ein Trauerspiel? — Geduld; er wird es schonnoch machen!
Aber wissen Sie, liebster Freund, daß unser Rleist in Leipzig ist?Jtzt wird er wohl schon wieder fort seyn. Er hat Herrn Ramlcr undmir von daher einen gemeinschaftlichen Brief geschrieben, der außer-ordentlich lustig und aufgeräumt ist! Wenn doch diese Laune rechtlange bey ihm dauern wollte! Gott weiß, ich wollte gern für ihnverdrießlich seyn. Ich würde dabey gewinnen; denn wenn ich verdrieß-lich bin, bleibe ich fein an meinem Tische sitzen, schreibe an meineFreunde, oder arbeite etwas.
Hier folgen die rückständigen Stücke der Briefe :c. Herr Sul-zer hat mir gesagt, daß Dodmeu ein Epigramm auf das Gedicht andie KriegeSmuse gemacht habe. Ich habe cS aber noch nicht gelesen.L-ssings Werke xii> g