Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

LessingS Briefe. 175»».

Laden waren noch keine Exemplare vorhanden/ und Herr ProfessorSulzer versicherte mich, daß Sie es nicht übel nehmen würden. Siehaben vielleicht das Exemplar einem andern Freunde bestimmt, und Indiesem Falle machen Sie sich kein Bedenken, es mir wieder abzufor-dern. Ich sehe eS bloß für geliehen an.

Leben Sie wohl, liebster Freund, und entschlagen Sie sich allerGrillen, die Ihnen Ihre schlimmen Gäste, oder die ichigen Umständeüberhaupt, etwa könnten gemacht haben. ES wird alles noch gut ge-hen; in dieser großen Zuversicht leben wir hier alle. Ich umarmeSie tausendmal, und bin

Ihr ergebenster FreundLcssing.

An Glcim.

Berlin , d. 25>. August. 175s.

Liebster Freund,

Wir sind hier bis gestern mit Ihnen in gleicher Ungewißheit we-gen unsers lieben Rleist's gewesen. Nunmehr aber wissen wir leider,daß er sich in Frankfurt unter den Gefangenen befindet, und verwun-det ist. Der beste Mann! Ob er gefährlich verwundet ist, wissen wirnicht, und wir wollen eS nicht hoffen. Ich habe heute den Weg überDanzig suchen müssen, an ihn zu schreiben; denn gerades WegeS isteS nicht möglich, einen Brief.nach Frankfurt zu bekommen. Wir ha-ben zugleich in der Geschwindigkeit hier die Verfügung getroffen, daßer in Frankfurt, oder, wenn er von da nach Polen oder Preußen solltegebracht werden, in Danzig so viel Geld bekommen kann, als er nö-thig hat, weil eS leicht möglich ist, daß ihn die Russen zugleich reinausgeschält haben.

Sehen Sie, liebster Freund, ich habe Ihnen eine so schlimmeNachricht ohne die geringste Vorbereitung geschrieben, weil alle meineVorbereitungen Sie vielleicht noch eine schlimmere hätten können ver-muthen lassen. Er lebt noch, unser liebster Rietst; er hat seinenWunsch erreicht, er hat geschlagen und sich als einen braven Manngezeigt; er wird von seiner kleinen Wunde bald wieder genesen, unddieser Zufall wird ihn zufriedner mit sich selbst machen. Mit dieserangenehmen Hoffnung trösten Sie sich unterdessen, liebster Gleim, biswir nähere Umstände von ihm erfahre». Für jetzt bin ich nicht imStande mehr zu schreiben; und ohne Zweifel werden Sie auch nicht