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12 (1840)
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172
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LesstngS Briefe. 1766.

freylich wohl Umstände geben, in welchen man seinen guten Namennicht anders zu retten weis, und da ich überzeugt bin, daß Klagenund Proccßiren ihre Sache sonst gar nicht ist, so bin ich versichert,daß auch die Umstände von der Art gewesen. Inzwischen, da mandoch nur in der Absicht klaget, vin Genugthuung zu erhalten, sosollte ich denken, es wäre eines, ob sich der Schuldige selbst zu dieserGenugthuung verstünde, oder ob er vom Richter dazn gezwungenwürde. Ist also die Beleidigung und Beschimpfung nicht allzuöffenl-lich geschehen, sa wäre mein Rath, Sie ließen es dabey bewenden,wenn der Püschel, in Gegenwart einiger Zeugen, seine Verleumdun-gen zurücknähme. Ohne dieses den Proceß aber so schlechthin hängenzu laßen, dazu rathe ich nicht. Alles kömmt dabey auf ihre künftigeRuhe und auf das an, was man sich von einem versöhnten Feinde,von dem Charakter wie Püschel, zu versprechen habe. Ich kenne ihnzu wenig, und darf es also kaum wagen, seinetwegen etwas positiveszu rathen. Scheint es sein wahrer Ernst, in Zukunft friedlich mitIhnen zu leben, so wäre es allerdings gut, wenn man ihn nicht aufdas äußerste brächte. Gedenkt er aber nur, Sie vor itzo auf eineZeit lang los zu werden, weil er stch auch von andern Seilen ange-griffen zu werden fürchtet, und besorget, daß Sie ihm auch auf die-sen andern Seiten entgegen seyn würden, so verdient er im gering-sten keine Nachsicht, sondern was Sie mit ihm einmal angefangen,müßen Sie mit ihm durchsetzen. Sie werden dieses selbst aus denUmständen am besten schließen können; auf diese kömmt alles au, ichnur bin zu wenig davon unterrichtet.

Daß Gottlob hier gewesen ist, wird Carl in seinem vorigenBriefe schon gemeldet haben. Er ist nun gänzlich aus Mecklenburg weg, und in Schlesien auf den Gütern des Grafen v. Boos als Ju-stitiarius. Seine einträgliche EouditioneS hat er sich schlecht zu Nutzegemacht, und wenn er nicht bald anfängt, ein beßerer Wirth zu wer-den, so ist mir für ihn bange.

Auf insteheude Ostcrmesse denke ich nach Leipzig und von da nachDresden zu reisen. Ob es gewiß geschiehet, werde aber noch vorher mel-den; da ich mir dann die fertigen Sachen von der Schwester nach Leipzig auSbitten will, wen» sich nicht eher eine Gelegenheit hicher finden sollte.

In Erwartung einer baldigen Nachricht, von Dero und derFrau Mutter fortdauernden Wohlbefinden verharre

Dero

Berlin, den 20 März 1766. gehorsamster Sohn

Gotthold.