Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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173
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Lessmgs Briefe. 1766.

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An Glcim.

Berlin , den 13. May 176«.

Liebster Freund,

Ich bin so eitel, auch Ihnen meinen Laokoon zu übersenden; obich gleich voraus sehe, daß Sie alle Ihre Freundschaft gegen mich wer-de» nöthig haben, um diesen Mischmasch von Pedanterie und Grillenzn lesen und nur nicht ganz verwerflich zu finden.

Wie leben Sie sonst, liebster Freund? Ist es wahr, daß Siekrank sind? Ich bcdaure Sie herzlich. Aber ich hoffe, daß IhreKrankheit weder anhaltend noch von Folgen seyn wird. Ich denkekünftigen Monat eine Reise nach Pyrmont zu thun, und meinenWeg über Halberstadt zu Nehmen. Ich verspreche mir, Sie gesundund vergnügt zu umarmen; wenigstens wünsche ich Sie so gesund,daß Sie zu eiliger Wiederherstellung Ihrer Gesundheit die nehmlicheReise mit thun konnten.

Melden Sie mir, ob ich Hoffnung dazu haben kann? Außerdemverspreche ich mir wenig Vergnügen an einem Orte, den ich wederder Gesundheit noch des Vergnügens wegen, sondern bloß um meinWort zu halten, besuchen werde.

Ich bitte um die Fortdauer, wie ich wohl vielmehr nach sovielen Jahren sagen sollte, (irncucrung Ihrer Freundschaft, undverharre

Dero

ergebenster und treuster Freund«tssing.

An Klotz. °)

Berlin den 9ten Irin. 1766.

Auch ich erinnere mich sehr wohl, iu meiner Kindheit, mit einemNetter, welcher zu Putzkau, eine halbe Meile von Bischofswcrde, Pa-stor war, und meine Unterweisung über sich genommen hatte, zu ver-schicdncn malen in t?w. Wohlgcborn väterlichen Hause gewesen zu seyn.Nothwendig werde ich auch Dieselben damals gesehen und gekannt ha«

*) Briefe Deutscher Gelehrten a» den Herr» Geheimen Rath Klotz,herausg. von I. Z. A. v. Hage», Halle 1773, II. Theil, S. 173.