j-cssiugS Briefe, 1768.
213
All Ramler.
Liebster Freund,
Es war Ihr eigner Einfall, die Stücke meiner Dramaturgie fürso viel Briefe an meine Freunde gelten zu lassen. Bey dem größtenTheile derselben waren Sie meinen Gedanken am meisten gegenwärtig:die meisten sind also an Sie gerichtet. Gleichwohl habe ich nur ersteine einzige Antwort darauf. — Hiernächst habe ich, noch auf einemandern Wege, abermals vier und dreyßig Briefe auf einmal an meineFreunde abgeben lassen, worunter gleichfalls verschiedne an Sie waren.Dennoch habe ich auf die, weiter keine Antwort. Sie sehen, daß ichUrsache hätte, mich zu beschweren.
Sie sind krank gewesen, liebster Freund. — Aber wie kann manauch in Berlin gesund sevn? Alles, was man da sieht, muß einemja die Galle ins Geblüt jagen. Kommen Sie geschwind nach Ham-burg ; wir wollen uns zu Schiffe setzen, und ein paar tausend Meilenin die Welt hinein schwärmen. Ich gebe Ihnen mein Wort, wir kom-men gesunder wieder, als wir auSfahrcn — oder auch gar nicht, wel-ches auf eins hinaus läuft.
Ich denke nicht, daß mir es in Rom länger gefallen wird, alscS mir noch an einem Orte in der Welt gefallen hat. Wenn alsdanndas Kollegium elo piorisgaiiil!» illZe einen wohin zu schicken hat,wohin auch nicht einmal ein Jesuit will, so will ich dahin. — Wennwir einander über zwanzig Jahre wieder sehen, was werde ich Ihnennicht zu erzählen haben!
Erinnern Sie mich doch alsdann auch an unser hiesiges Theater.Wenn ich den Bettel nicht schon vergessen habe, so will ich Ihnen dieGeschichte desselben haarklein erzählen. Sie sollen alles erfahren, wassich in der Dramaturgie nicht schreiben ließ. Und wenn wir auchalsdann »och kein Theater haben: so werde ich aus der Erfahrung diesichersten Mittel nachweisen können, in Ewigkeit keinS zu bekommen.— Iranle-U cum eset»'!« errorivus! —
Noch habe ich eine Bitte an Sie. Schicken Sie mir, so baldals möglich, Ihre übersetzte» Oden des Horaz . °) Mein Bruder kannsie abschreiben. Ich verspreche Ihnen, ohne Ihr Vorwissen und Ihre
°) Namlcr licsi sie sogleich drucken, und schickte seinem Freunde einExemplar. Nicolai.