LessingS Briefe. 1769.
223
zcm wieder überschrieen. Ihm aber immer auf dem Rücken zu sitzen,ist meine Sache anch nicht.
Die Mißhandlung, die er sich mit Ihrem deutschen Dcmosthcncserlaubt hat, muß jedes billigen Mannes Unwillen erregen, Aller dertrivialen Dinge ungeachtet, die er dagegen sagt, sollte er doch wohlempfunden haben, wieviel ihm noch fehlt, um eine solche Uebcrschungmachen zu können. Unsern kleinen Schönschrcibern wird sie freylichwohl nie gefallen: aber Leute, welche Wahrheit und Nachdruck schätzen,welche wissen, wie weit die alte povulairc Beredsamkeit sich von demsüßen Tone, von den gelehrten Sprachschnirkeln eines neuen Kanzcl-redncrS entfernet, werden sie um wie vieles nicht missen wollen; dock,wem auch dieses nicht begreiflich zu machen, der muß sie doch wenig-stens für den deutlichsten und sichersten Commcntar des Originals er-kennen, und zugestehen, daß sich ein Reichthum der deutschen Sprachedarin» zeiget, den so wenige unserer Schriftsteller in ihrer Gewalt haben
Ich bin -c.
_____ Lcssing.
An Nicolai.
Liebster Freund,
Sie werden freylich nicht wissen, woran Sie mit mir sind; abermeine Auktion und hundert andere Verwirrungen haben mir es un-möglich gemacht, Ihnen eher zu schreiben. Sie sehen indessen ausbeygebenden fünf Aushängebogen, daß ich in voller Arbeit an denantiquarischen Briefen bin. Sie können sich darauf verlassen, daß ichnicht eher von hier gehen werde, als bis sie vollendet sind.
Die Materie häuft sich unter der Hand, und ich möchte Ihnen gernnoch den dritten Theil zurücklassen. Aber das muß lediglich von IhrerConvenicnz abhängen. Wenn Sie Ihre Rechnung nicht dabey finden,so lassen Sie nur den Quark auffliegen. Klotz hat doch wohl genug.
Zwar macht cS der Tölpcl immer ärger. Haben Sie seine scurri-lischen Briefe*) gelesen? — Was Sie in der Vorrede zum neuestenTheile Ihrer Bibliothek wider ihn angefügt haben, ist schon so recht. —Nächstens ein mchrercS. Leben Sie jetzt wohl.
Ihr
ergebenster Freund,Lcssing.
°) Dieses haßliche Produkt soll von Ricdcl gewesen scvn. Nicolai.