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Lesslngs Briefe. 1770.
ob die Hausplage nicht eben so wohl vom mannlichen als weiblichenGeschlechte seyn könnte! Und ich muß mich nur über Sie, meineliebe Freundinn, wundern, daß Sie wir davon sprechen, als ob eSsich schon von selbst verstünde, daß es von nichts andcrm, als einerbösen Frau handeln könne. Ihre Anmerkung übrigens, daß die Wei-ber da sehr gut seyn müssen, wo es sich der Mühe verlohnt, eineBöse auf das Theater zu bringen, finde ich sehr richtig: und wonur nicht gar eine solche Vorstellung mehr Schaden als Gutes stiftet!Viel Weiber sind gut, weil sie nicht wissen, wie man es machen muß,um böse zu seyn.
Daß man an dem Pfälzischen Hofe auf die Errichtung einesdeutschen Theaters denke, höre ich von Ihnen zuerst. Ich wünschesehr, daß etwas daran seyn möge.' Aber an dem Umstände ist wenig-stens noch vors erste nichts, daß Seyler dahin kommen solle. Erselbst weiß so wenig davon, daß er stch recht ernstlich um andere Aus-sichten bewirbt. Er möchte gern hierher nach Braunschwcig, und ichhoffe, daß wir es ihm auswirken wollen. Nur kann er selbst vordem März nicht kommen, weil er ein Abonnement nach Osnabrück angenommen hat, wohin er in kurzem geht.
Schlimm genug, daß Sie zu meinen übcrschriebcnen Nummernso wenig Zutrauen haben. Ich habe auf die Ihrigen desto mehr.Ich sehe es ihnen an, daß wir wenigstens eine Terne daraus gewin-nen werden. Wohin soll ich Ihnen den Antheil Ihres GewinnstcSübermachcn? Oder soll ich ihn so lange in Verwahrung behalten, bisSie ihn selbst bey mir abfordern? Wagen Sie das nicht; denn ichkönnte ihn dann sehr leicht in andern Lotterien wieder verspielt haben.Das Billet habe ich bereits; auf den Montag wird gezogen; auf denDonnerstag erhalte ich Nachricht, und auf den Freyrag überschreibeich Ihnen die Nachricht, sie mag nun gut oder schlecht klingen.
Aber des Billets wegen habe ich eben nicht dürfen nach Hamburg schreiben. Es sind in Braunschweig Cvllckteurs für die HamburgerLotterie die Menge. — Doch habe ich nach Hamburg nunmehr wiedergeschrieben; und ich hoffe, daß Sie in langer Zeit keine Klagen wei-ter hören werden. Wer die Freundinn ist, die Ihnen den Verweisan mich aufgetragen, bedarf wohl keines langen RathenS. Ich wette,cS ist eben die, von der ich heute einen Brief bekommen habe. Nunrathen Sie; wenn Sie nicht glauben, daß ich es getroffen habe.
Aber lieber, lassen Sie uns die Briefe einander nicht so zuzählen.Sonst setze ich mich einmal hin; und zähle nicht Ihre Briefe, sonderndie Worte Ihrer Briefe. Dann wollen wir sehen, wer von uns bey-