Vorschlag nach Wien bctrift das Theater nicht; und da es doch soganz ausgemacht noch nicht ist, daß Sie sich von Wien gänzlich tren-nen müssen: so bleibt es bey meinem ersten Gedanken, und ich habenochmals geäußert, daß ich mir die Veränderung wolle gefallen lassen.Man hat meinen Entschluß sogleich nach W- gemeldet, und in einigenWochen kann ich mich von dorther der völligen Erklärung gewärtigen.Vorläufig versichert man nur, daß ich auf zwcv tausend Thaler Rech-nung machen könnte; und liefe, denke ich, werden in W. doch wenig-stens immer so gut seyn, als sechs oder acht hundert Thaler allhicr.ES ist gewiß, und ich fange es wieder sehr deutlich an zu empfinden,daß, so einsam und verlassen ich jctzo da leben muß, mein Aufenthaltohnedem von Dauer daselbst nicht mehr sevn würde: und da ich vor-aus sehe, daß ich doch, über lang oder kurz, mich nach einer Verän-derung sehnen würde; so wäre es thöricht, wenn ich diese Gelegenheitwollte auS den Händen gehen lassen. Besonders bev der so weit auS-schcinenden Hoffnung, die Sie mir auf Wolfenbüttel machen können:da es hingegen ungleich wahrscheinlicher ist, daß wir eher an jenemdritten Orte uns wieder zusammen finden können. Möchte cS doch nurso bald als möglich geschehen! Sie glauben nicht, wie sehnlich ich dieseswünsche, und wie vergnügt es mich macht, daß ich versichert seynkann, daß Sie es auch ein wenig wünschen. Die böse Zwischenzeit!wer diese nur erst überstanden hätte! Doch, wenn wir sie mir gesundüberstehen, das Andere wird sich auch finden.
— Und Sie sind doch noch gesund, meine Liebe? Ich will hof-fen, daß ich morgen die Versicherung davon erhalte. Denn Sie wer-den doch nimmermehr so grausam gewesen sevn, und auch nicht ge-schrieben haben? — Die gute Z.! wahrlich, sie dauert mich; aber ichdenke, cS wird so gefährlich noch nicht sevn. Wenn cS eine hitzigeKrankheit ist, so bleiben Sie aber lieber von ihr weg. — Eben werdeich durch einen übcrlästigcn Besuch gcstörct. Ich umarme Sie tau-sendmal, meine liebste Freundinn, und bin von ganzer Seele
ganz der IhrigeLcssing.