Druckschrift 
12 (1840)
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LcssingS Briefe. 1771.

Sie nicht auch Abhaltungen oder andere Ursachen gehabt haben, ohnemich eben strafen zu wollen?

Mein voriger Brief war abermals aus Braunschweig . Sie wer-den nicht wissen, was ich so oft in Braunschwelg mache. Ich willIhnen also nur die Wahrheit gestehen, daß ich diesesmal blos derKomödie wegen da war. Ddbbelin mit seiner Truppe hatte schon vier-zehn Tage gespielt/ und ich mußte ihn doch wohl einmal sehen. Erhatte sich olmedcm schon eingebildet, daß ich etwas gegen ihn hätte,weil ich zu keinem von den Stücken hereingekommen war, die er vonmir aufgeführet. Und doch würde ich mir den Weg um ihn auch nochnicht gemacht haben, wenn er mich, nebst seiner Frau, nicht ausdrück-lich selbst abgeholet hätte. Nun habe ich ihn dreymal spielen sehen,und bin wieder hier. Seine Frau ist hübscher, als die Ackermannin,und doch will ich die Ackermannin unendlich lieber sehen.

Apropos der Komödie! Sie versprachen mir ja, sie dort fleißigzu besuchen, und mir alle die neuen Stücke zu melden, die Ackermannsaufführen würden. DaS ist kein einzigesmal geschehen, und ich willdoch nicht hoffen, daß Sie seitdem auch kein cinzigcSmal wieder hinein-gekommen? Auch nicht einmal Brockmanncn zu Gefallen?

Künftige Woche, dic ersten Tage, schicke ich den Vorrath, denich für Sie bereits eingekauft habe, theils morgen oder übermorgennoch erhalte, unfehlbar ab. Wenn ich cS auf dem Markte hätte wol-len einkaufen lassen, so würde ich schlechte Ehre damit eingelegt haben.So aber, denke ich, sollen Sie zufrieden damit seyn. Ich will daSFaß, worein ich es packe, von hier nach Toder Horsts in Braunschwcigschicken, die es dann weiter crpcdiren mögen. Ich will ihnen aberschon dabey schreiben, daß sie cS nicht so damit machen sollen, alsmit meiner Kiste, die sie so lange in Braunschweig liegen lassen-Gut nur, daß ich sie doch endlich habe, und die Bücher von derNasse nicht gelitten haben.

Von meiner Wiener Angelegenheit erwarte ich das Nähere täglich.Auch bestärkt sich mein Vorsah immer mehr und mehr, diese Gelegen-heit nicht aus den Händen gehen zu lassen. Besonders da ich minauch ungefähr weiß, worauf es ankommt.

Es kömmt dock zu Stande, wovon man schon vor zwey Iahrenin Hamburg gesprochen; daß nehmlich der Kaiser eine Akademie derWissenschaften in Wien anlegen will. Und ich höre schon von einigenAndern, die er gleichfalls berufen läßt.

Ist cS wahr, was man hier erzählet, daß Mamsell Ackermannihrem Vater eine so schöne und herzbrechende Parcntation auf dem