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LcssingS Briefe. 1771.
wenn es thunlich wäre/ so würde eS Ihnen schon längst eingefallenseyn; und eS ist nur lächerlich/ wenn ich Ihnen in solchen Dingeneinen Rath geben will.
Mit T> H- auf der Höhe, glaube ich, mag es freylich wohl auchnicht zum Besten stehen. Doch weiß man von einem Moratoriv/ dassie erhalten hätten, in Braunschweig nichts.
Leben Sie recht wohl, meine Beste, und erfreuen Sie mich dochja recht bald wieder mit guten Nachrichten von Ihnen. Das Beywort gut geht lediglich auf Ihre Gesundheit. Ich bin auf immer
' ganz der Ihrige(!--!' ^-ys ni^x- 'Sii^tniMi' °V -v l-'f L.
An Karl G. Lcssmg.
Wolfcnbüttcl, den 31. Decbr. 1771.
Mein lieber Bruder,
Ich habe zur Zeit noch nichts in der bewußten Angelegenheit ausWien vernommen, und ich muß Dir sagen / wenn man daselbst ver-langt, daß ich erst zum Besuche hinkommen soll, so kann auS derganzen Sache nichts werden. Denn denke nur selbst, wie unanstän-dig und unsicher eS seyn würde, zu einer solche» Reise den Herzogum Urlaub zu bitten. Sollte ich ihm die Wahrheit sagen? oder sollteich sie ihm nicht sagen? Sagte ich sie nicht: was könnte ich für einenVorwand brauchen? und welcher Vorwand würde wahrscheinlich genugscvN/ daß man nicht sogleich hindurch sehen könnte? Sagte ich ihmaber die Wahrheit, nehmlich, daß ich mich in Wien besehen wollte,ob eS mir zu einem beständigen Aufenthalt da gefiele: was konnte ichmir für eine Antwort gewärtigen?
Ich sehe nun überhaupt wohl, was eS mit dem ganzen Dingeist. ES steht in öffentlichen Blättern ja min schon genug davon; undin den Erfurter Gelehrten Zeitungen lese ich/ „daß Prof Ricdcl miteiner sehr ansehnlichen Besoldung nach Wien zu der Stelle einesK- K. Raths berufe»/ und ihm dabey die freye Uebung der protestan-tischen Religion gestattet worden. Er werde im Anfang künftigenJahres seine Stelle antreten und in solchen Geschäften gebraucht wer-den/ die für die Litteratur unsres Vaterlandes von größter Wichtigkeitsevn würden."
Aber/ lieber Gott ! wenn die guten Wiener mit Riedcln den An-fang machen: was kann man sich viel davon versprechen? Und wennsie Riedcln auf seine Kuimm, und auf Treu und Glauben Anderer/