Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
349
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LcsflngS Briefe. 1772,

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An Madame König.

Wolfenbüttel , den 15. März 1772.

Meine Liebe!

Ich habe bereits drey Briefe; und selbst habe ich Ihnen erst eincinzigcSmal geschrieben, nehmlich nach Augsburg . Aber die bcvdcn er-sten waren aus dem verwünschten RattclSdorf, wohin ich dock) nichtantworten konnte. Gott sey Dank, daß Sie endlich einmal da wegsind! Und Gott gebe, daß Sie die Verdrießlichkeiten und das Unglück,welches Sie auf dieser Reise nun einmal haben sollen, auf dem Wegenach Rattelsdorf , alles mit eins überstanden haben! Ihre Beschreibungdavon würde mich äußerst beunruhigt haben, wenn sie nicht in einemnoch so ziemlich lustigen Tone abgefaßt gewesen wäre. Dafür aber ,bekümmert mich das, was Sie mir von Ihrer Gesundheit melden,um so viel mehr. Ich hoffe zwar, daß Ruhe und Pflege, die Siesich wenigstens in Salzburg werden gegönnt haben, alles so ziemlichwieder gut gemacht haben wird.

Die eigentliche Ursache aber, warum Sie daselbst keinen Briefvon mir werden gefunden haben, ist mein neues Stück, welches ichIhnen durchaus mitschicken wollte. Erst gestern habe ich Exemplaredavon erhalten; und ich wünsche sehr, daß bevfolgcndcs Sie in Re-gensburg treffen möge, um cS ohne Umstände nach Wien hereinbringenzu können. Der Brief an den Herrn von Gebler liegt darinn, demich zugleich geschrieben, daß er das neue Stück von Ihnen erhaltenwerde. Wenn Sie es gelesen, so können Sie es ihm ja wohl geben:denn mehr als ein Exemplar zu schicken, würde sich mit der reitendenPost nicht haben thun lassen. Es ist am IZtcn dieses, vorgestern, alsan dem Geburtstage der regierenden Herzoginn, in Braunschwcig auf-geführt worden. Ich bin aber nicht bcv der Aufführung gewesen; dennich habe seit acht Tagen so rasende Zahnschmerzen, daß ich mich beyder eingefallenen strengen Kälte nicht herüber getraut habe. DiesenZahnschmerzen, meine Liebe, müssen Sie cS auch zuschreiben, wennich Ihnen dasmal ein wenig sehr lüderlich und verwirrt schreibe.Morgen wird cS zum zweytenmal gespielt, aber ich glaube schwerlich,daß ich cS werde sehen können, ob ich schon ausdrückliche Einladungerhalten habe.

Ich denke doch, daß Sie den Brief an G- selbst übergeben, oderihn doch wenigstens, nachdem Sie ihn abgeben lassen, besuchen wer-den. Denn ich bin sehr begierig, von Ihnen bald zu hören, ob Ge-bier» oder Sonncnfclscn von meinem vorgcwescncn Rufe etwas zu