LcssingS Briefe. 1772.
Ohren gekommen. Wenn Sie sich darnach erkundigen, so werden Siees schon so zu machen wissen, daß es weder scheint, als ob ich garzu begierig darnach, noch auch, als ob ich gar zu abgeneigt davon wäre.
Von Hamburg habe ich seit vier Wochen nicht die geringste Nach-richt: welches aber an mir liegt. Morgen oder übermorgen aberschreibe ich gewiß an Sch. und K-, und was ich durch diese erfahre,will ich Ihnen alles melden.
Mit der Lotterie war es daSmal wieder nichts. Ich bekomme denPelz auf keine Weise: denn cS sind herausgekommen 1. 6. 3t. 39.und 83. wovon Sie und Ihr Herr Schwager keine einzige Nummerhaben; und wovon ich zwar 1. und 39. gewonnen, aber doch so wenigdabey profltirt habe, daß ich von dem theuren Pelze kaum zu ein PaarHandschuhen kaufen könnte.
In Kopenhagen werden die Jnquisiten fleißig vernommen. Aberwas man will, daß sie gestehen sollen, oder was sie gestanden haben,davon erfährt kein Mensch elwaS. Man kann aus den Nachrichtenvon daher gar nicht klug werden, aber so viel sieht man, daß sie selbstmit Struenseen etwas glimpflicher zu verfahren anfangen.
— Ich wünsche nochmals, daß Sie dieser Brief in Regensburg noch treffen, und vornehmlich bey guter Gesundheit treffen möge.Meine Zähne wollen mir kaum erlauben, mehr zu schreiben. — Nurnoch eins- Ihr Portrait, meine Liebe, habe ich nicht erhalten: aberwohl Klotzen seines. Wie kam Ihnen ein, mir das Fcatzengcsicht zuschicken? Und es mir, ohne ein einziges Wort von Ihnen, zu schicken? —
Nun leben Sie, und reisen Sie weiter recht wohl. Sobald Siein Wien glücklich angekommen: so melden Sie mir es doch gleich,nicht wahr? Meinen Empfchl an den Herrn Schwager. Freylich istrs ein hundsf— Leben,') besonders wenn man Zahnschmerzen hat.Ich umarme Sie tausendmal, und bin
der Ihrige auf immer
L.
An Ebert.
Liebster Freund!
Ich wollte um wie vieles nicht bey der Vorstellung meines neuenStücks gewesen seyn: denn so hätte ich Ihren Brief darüber nicht
*) Sie schrieb am 28. Februar von ihrem Schwager „So wie cm U»gluck kam, so sagte er: Herr Lessing hat Recht: cS ist wahrhaftig einhundsfiittisch Leben."