LcssmgS Briefe. 1772.
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solleil/ hätten ihm seine Freunde in Halberstadt , in deren Werken allesso ausgefeilt, alles so voller Licht ist, nicht sollen hingehen lassen.
Dero
ganz ergebenerL-sstng.
An Madame König.
Wolfenbüttel , den 10. April 1772.
Meine Liebe!
Gott scv Dank/ daß ich Sie nun endlich gesund und wohl inWien weiß. Denn eben erhalte ich Ihren Brief vom Iten diescS;und ich will keinen Augenblick versäume», darauf zu antworten. Warumich Ihnen aber nicht schon längst wieder geschrieben? warum Sie kei-nen Brief in Wien von mir vorgefunden? daran ist dieses die Ursache:ich bin krank gewesen. Nicht eben so krank, daß ich durchaus keinenBrief hätte schreiben können: aber doch kränker, als daß ich Ihnenhätte schreiben können, ohne mir meine Krankheit merken zu lassen.Und was war das nöthig? Jtzt schreibe ich Ihnen um so viel lieber,daß ich mich recht wohl befinde, und daß ich mich nur besser befindenkönnte, wenn ich bey Ihnen wäre. Ich wünschte sehr, Sie könntenund wollten mir das Nehmliche antworten.
Aber leider! scheinen Sie mir, was die Hauptabsicht Ihrer Reiseanbelangt, nur schlechte Hoffnung zu haben. Doch wer weiß, wassich indeß cräugnct hat. Ich will das Beste hoffen. Besonders ver-spreche ich mir dieses von dem Wrgc, den Sie in Ihrem Vorigen ein-schlagen zu wollen geneigt schienen; nehmlich der Kaiserinn selbst dieSache zu vffeciren. Wenn cF Ihnen gelingt, bey der einen gutenVorsprecher zu finden, so denke ich, kann cS Ihnen nicht fehlen. EinParticulier wird Sie freylich bis auf das Acußcrste dringen; und eSwäre doch Schade, wenn Sie, den Handel zu erleichtern, schlechter-dings die Tapetenfabrik aufopfern müßten, mit welcher Sie so wohlzufrieden zu sevn scheinen. Sie wissen wohl, meine Liebe, warum icheS so gern sähe, wenn Sie fürs erste noch einen festen Fuß in Wien behielten. ES könnte mich in meinen Anschlägen dahin allein bestärken;da meine Hiessgen Umstände doch nur ein pls-allei- sind.
Oh ne eigentlich zu wissen, was mir Gebier schreiben will oderwird: so bin ich auch schon von anderwärts versichert, daß es mir danicht leicht fehlen soll, so bald ich mich selbst um etwas bewerben will.Doch das Seldstbcwerlicil ist für mich eine gar harte Nuß; und icht!eslmgS Werk- xu. 23