Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
367
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Lessings Briefe. 1772.

in alle» Stücken mehr Beyfall erhalt, als sie. Daß diese wieder sic-her zurückkomme/ hat man für gewiß gesagt: und um so viel wenigerbegreife ich, warum eS lieber als Madam Scylerinn, und nicht alsMadam Hänselinn, geschehen soll.

Unser K- ist noch in Hamburg ; aber wie weit eS mit seiner Sacheist, weiß ich nicht. Nur so viel weiß ich, daß er für sein Theil sichnoch alle gute Hoffnung macht, und nur deswegen so lange in Ham-burg bleibt. In Hamburg aber muß er sehr geheim zu Werke gehen;denn Sch- wenigstens wußte nichts davon. Dieser ist vorgestern wie-der hier durch nach Dresden gegangen, und wie er mich versichert, soist er mit seiner dortigen Angelegenheit so gut als zu Stande. Ichwill eS ihm sehr wünsche»; auch war cr ganz aufgeräumt, und ichhabe ihm versprochen, bey seiner Rückreise im August ihn nach Ham-burg zu begleiten: versteht sich, wenn Sie, meine Liebe, schon wiederallda zurück sind.

Von dortigen Neuigkeiten wüßte ich Ihnen sonst nichts zu mel-den, als daß Nicolini seine erste Pantomime gegeben, und sehr großenZulauf gehabt. Denn cr hat über ooo Thaler, in dem großen Komö-dien-Hause, das er gänzlich umgeworfen, und gcräumlicher und schö-ner ciligerichlct, eingenommen; wovon die Ackcrmannin die Hälftebekömmt, so wie er wieder von Ackermanns Vorstellungen die Hälftezieht. ES ist beyden zu gönnen, wenn die Hamburger lange in diesemGeschmacke aushalten wollen. Das Schicksal der übrigen Staats-gefangenen in Kopenhagen wissen Sie ja wohl auch schon aus den Zei-tungen. Sie sind alle auf freyen Fuß gesetzt, außer Falkenskiold,welcher auf Zeitlebens nach Monkholm gebracht worden. Der Iustiz-rath Struensce kömmt wieder als geheimer Rath in Preußische Dienste.Sturz ist durch Hamburg gekommen, aber hat sich von keinem einzi-gen seiner Bekannten sprechen lassen. Die Königinn ist endlich zurGörde angelangt, allivo sie in einigen Tagen ihre Schwester, unsreErbprinzessinn, besuchen wird. Sie soll munter und unbekümmertscvn, und täglich auSreitcn. Unsre Erbprinzcssin muß sie für völligunschuldig halten, sonst würde sie sie gewiß nicht besuchen.

Aber ist eS möglich, meine Liebe, daß ich Ihnen noch nicht denEmpfang Ihres Portraits gemeldet hätte? Ist eS möglich, daß ichIhnen noch nicht für das Vergnügen, das es mir täglich macht, solltegedankt haben? Unmöglich! Und wenn Sie in den Briefen, die Sievon mir in den Händen haben, nichts davon finden, so ist ganz gewißeiner verloren gegangen: denn ich crinncrc mich cs noch allzu genau,daß ich, und wie ich davon geschrieben. Die Zahl meiner Briefe